Wirtschaft : Peters sucht einen Partner für das Tandem

Umstrittener IG-Metall-Vize bekräftigt Kandidatur für Spitzenamt und braucht einen Reformer als Stellvertreter

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Zwickau/Berlin (alf/rah). Der umstrittene Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Peters, will unverändert erster Vorsitzender werden. Bis zur nächsten Vorstandssitzung am 1. September wolle er versuchen, eine ähnliche Tandemlösung, wie sie mit Peters und dem badenwürttembergischen Bezirksleiter Huber vorgesehen war, auf den Weg zu bringen, sagte Peters am Donnerstag in Zwickau. „Ich bedaure sehr, dass Berthold Huber aufgegeben hat, wir hätten uns gut ergänzt“, sagte Peters. Der Vorstand der Gewerkschaft hatte im April Peters als Kandidaten für den 1. und Huber für den 2. Vorsitzenden der IG Metall nominiert. Diese Tandemlösung gilt seit dem eskalierenden Führungsstreit und dem Rückzug Hubers als hinfällig.

Das bekräftigte auch Gewerkschaftschef Zwickel am Donnerstag in einem Schreiben „an alle Verwaltungsstellen, Bezirksleitungen, Bildungsstätten und Funktionsbereiche beim Vorstand“. Zwickel schreibt: „Durch den Rückzug von Berthold Huber ist der am 8. April 2003 in Dresden beschlossene Personalvorschlag hinfällig.“ Der Vorstand stehe jetzt vor der Aufgabe, „spätestens“ in seiner nächsten Sitzung Anfang September über einen neuen Personalvorschlag für den 1. und 2. Vorsitzenden zu beraten.

In dem Brief erläutert Zwickel ferner die Motive für sein Rücktrittsangebot, „um als 1. Vorsitzender auch die Gesamtverantwortung des Vorstandes zum Ausdruck zu bringen“. Hubers Rückzug sei „als Signal zu verstehen, dass persönliche Interessen hinter den Belangen der Organisation zurückstehen“. Seinem Kontrahenten Peters spricht Zwickel das indirekt ab: „Kollege Peters hat einen Rücktritt abgelehnt und darauf beharrt, sich mit seiner Verantwortung unmittelbar und ausschließlich dem Gewerkschaftstag zu stellen.“ Zwickel muss nun bis zur nächsten Vorstandssitzung ein neues Tandem suchen. Gleichzeitig wird Peters versuchen, einen zweiten Mann aus dem so genannten Reformlager zu finden. Ob ihm das gelingt, ist mindestens so fraglich wie die Erfolgsaussichten von Zwickel. Der Noch-Vorsitzende wird versuchen, einen Reformer als ersten und einen Peters-Anhänger als zweiten Mann zu finden. Am Mittwoch hatte sich überraschend der Hamburger IG-Metall- Chef Frank Teichmüller als Zwickel-Nachfolger ins Gespräch gebracht. Seine Chancen werden allerdings als gering eingeschätzt, weil er sich zu stark auf die Seite der Reformer geschlagen hatte. Die IG Metall war in die Krise getaumelt, nachdem sie den Arbeitskampf im Osten verloren hatte und damit die schwerste Schlappe in ihrer Geschichte hinnehmen musste.

Auch manche Arbeiter des VW-Werkes in Mosel haben die Niederlage noch immer nicht verwunden. „Überzeugend klang das nicht“, fasst ein VWler nach Schichtende am Donnerstagnachmittag seinen Eindruck von einer Betriebsversammlung zusammen. Der Mann hat wenig Vertrauen, dass es bei den nun anstehenden Verhandlungen mit der VW-Geschäftsleitung noch zu Ergebnissen kommt. Den Streit an der Spitze der IG Metall kommentiert er mit Schulterzucken und Kopfschütteln. Trotzdem konnte sich IG-Metall-Vize Peters am Donnerstag in Mosel freuen. Bei den sächsischen VW-Arbeitern hatte er so etwas wie ein Heimspiel, auch wenn er bei den Mitarbeitern etwas Enttäuschung festgestellt haben will. Die Unterstützung für seine Person habe er als „sehr wohltuend“ empfunden. Zur Vorstandssitzung am vergangenen Dienstag sagte Peters, „man wollte dem Peters die Rübe abhauen“.

Uneingeschränkt stünden die Funktionäre der Verwaltungsstelle Zwickau hinter ihrem Verhandlungsführer und Bezirksleiter Hasso Düvel sowie zu Peters. Es sei unverständlich, dass die Analyse des verlorenen Arbeitskampfes mit einer Personaldebatte beginne, sagt Stefan Kademann, der örtliche IG-Metall-Bevollmächtigte. Kademann betont, dass es bei VW Sachsen nach wie vor keinen Gewerkschafter gebe, der die Notwendigkeit des gescheiterten Streiks in Zweifel ziehe. Im Gegenteil. Kademann ist überzeugt, dass die Leute sofort wieder bereit wären, sich vor das Werktor zu stellen, wenn zum Streik aufgerufen würde. Aber von Streik wolle er jetzt nicht reden, sagt Kademann, erst müsse weiter verhandelt werden. Die 35-Stunden-Woche werde weiter angestrebt.

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