Wirtschaft : PFAFF

Die Entscheidung fiel buchstäblich von einem Tag auf den anderen. Ende Oktober sollten die Mitarbeiter des Nähmaschinenherstellers Pfaff eigentlich einen neuen Arbeitsplatz bekommen. Der Neubau im Industriegebiet Kaiserslautern war fast fertig, der Landeswirtschaftsminister hatte sich für die Eröffnungsfeier angekündigt. Doch es kam alles anders: Der Münchner Finanzinvestor GCI, Mehrheitsaktionär bei Pfaff, stellte seine zugesagten Zahlungen ein. Der Umzug musste abgesagt werden. Das in die Krise geratene Traditionsunternehmen meldete Insolvenz an. 400 Mitarbeiter bangen jetzt um ihren Arbeitsplatz.

Heute noch wundert man sich in der Pfalz über das Verhalten des Investors. „Das war eine irrsinnige Entscheidung. Es war eigentlich alles organisiert und finanziert“, sagt Insolvenzverwalter Paul Wieschemann. Doch mittlerweile kennt man die Hintergründe. Die Notbremse wurde wohl nicht bei GCI in München gezogen – sondern im fernen New York.

Dort entschied sich der US-Hedgefonds QVT, in der Finanzkrise sein Management auszutauschen – mit weitreichenden Folgen. Denn QVT ist der größte Anteilseigner der britischen Private-Equity-Gesellschaft ACP Capital, die wiederum 29 Prozent der Anteile von GCI hält. Die Botschaft aus New York lautete: Es gibt kein Geld mehr. Und sie war noch in Kaiserslautern deutlich zu hören.

Auch bei GCI war man überrascht. „Über Nacht kam die Entscheidung, es wird nicht mehr gezahlt. Alleine konnten wir Pfaff nicht finanzieren“, sagt GCI- Vorstand Albert Wahl. Eigentlich hatte es andere Pläne gegeben: „Wir wollten im zweiten Halbjahr 50 Millionen Euro in mittelständische Firmen im deutschsprachigen Raum investieren“, sagt Wahl.

Derzeit sucht man bei Pfaff händeringend nach einem neuen Investor. Laut Insolvenzverwalter wird auch mit Private-Equity-Firmen verhandelt. dcl

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