• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Pferdefleisch-Skandal : Erste Festnahmen in Großbritannien

14.02.2013 20:00 Uhr
Korrekt deklariert: Würstchen mit Pferdefleisch.Bild vergrößern
Korrekt deklariert: Würstchen mit Pferdefleisch. - Foto: dpa

UpdateEs gibt die ersten Festnahmen: Drei Männer sind in Großbritannien festgenommen worden. Ihre Betriebe waren zuvor bei einer Razzia überprüft worden.

Im Skandal um falsch deklarierte und mit Pferdefleisch versetzte Rindfleischprodukte sind in Großbritannien insgesamt drei Männer festgenommen worden. Sie stünden im Verdacht, Betrug in Zusammenhang mit Lebensmitteln begangen zu haben, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag in Wales.

Zwei der drei Verdächtigen seien in einem Fleischverarbeitungsbetrieb in Südwest-Wales festgenommen worden. Es handele sich um zwei Männer im Alter von 42 und 64 Jahren. Der dritte Mann im Alter von 63 Jahren sei in einem Fleischbetrieb in der englischen Grafschaft West Yorkshire festgenommen worden.

Beide Betriebe waren am vergangenen Dienstag bereits bei einer Razzia von der Polizei durchsucht worden.

Sowohl Fleisch als auch Papiere wurden sichergestellt. Die britische Lebensmittelaufsicht FSA stellte den Betrieb vorübergehend ein.

Die Supermarktkette Real hatte in Deutschland bereits am Mittwoch eine Tiefkühl-Lasagne zurückgerufen, nachdem bei Stichproben Anteile von Pferdefleisch entdeckt worden waren. Jetzt zieht die Handelskette Edeka nach: Auch in dem Tiefkühl-Produkt „Gut & Günstig Lasagne Bolognese“ seien bei Analysen in einzelnen Stichproben geringe Mengen Pferdefleisch gefunden worden, erklärte ein Edeka-Sprecher am Donnerstag in Hamburg.

Bei dem nicht deklarierten Pferdefleisch in Lebensmitteln könnte nach Ansicht des Mikrobiologen Karl Steffens von der Hochschule Neubrandenburg eine Gefahr von möglichen Arzneimittelrückständen ausgehen. Gerade Sportpferde erlitten häufig Verletzungen und würden mit Medikamenten und Antibiotika behandelt, sagte der Professor am Donnerstag. Zwar würden auch Rinder und Schweine Medikamente erhalten, doch dürften sie dann erst nach einer bestimmten Zeit geschlachtet werden. Auch die Milch dürfe erst später wieder verwertet werden.

„Aber wenn bei der Deklarierung gemogelt wird, warum sollte man dann Verantwortungsbewusstsein erwarten, wenn es um Arzneimittelrückstände geht“, sagte Steffens. Tests der britischen Lebensmittelaufsicht FSA haben bereits ergeben, dass Fleisch von drei mit Phenylbutazon gespritzten Pferden wohl in die Nahrungskette geraten ist. Das Fleisch sei von Großbritannien nach Frankreich verkauft worden, sagte Ernährungsstaatssekretär David Heath im britischen Parlament nach Angaben der BBC.

Eine Einschätzung möglicher Gesundheitsgefahren durch mit dem Medikament Phenylbutazon verseuchtes Pferdefleisch ist derzeit nach Ansicht von Experten schwierig. Es sei noch nicht bekannt, wie hoch die Rückstände des Tiermedikaments seien, sagte der Sprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung, Jürgen Thier-Kundke, am Donnerstag. „Bevor wir die Mengen der Rückstände nicht kennen, ist alles Spekulation.“

Bei Tieren wird Phenylbutazon zur Therapie bei Entzündungen und Schmerzen im Bewegungsapparat oder auch illegal als Dopingmittel eingesetzt. Der Sprecher betonte, dass für den Verzehr bestimmte Pferde nur mit Medikamenten behandelt werden dürften, die dafür zugelassen sind. „Phenylbutazon gehört nicht dazu.“ Bei Pferden wisse man genau über die verabreichten Medikamente Bescheid. Pferde seien die am besten dokumentierten Tiere, weil die EU das durch den verbindlichen Pferdepass so festgelegt habe, sagte Thier-Kundke.
Aus Sicht von Veterinär-Experten ist das Aufspüren möglicher Arzneireste in Pferdefleisch-Fertigprodukten ohne Proben des Ursprungsfleisches kaum möglich. Eine mögliche Verdünnung der Stoffe in der Lasagne könne Ergebnisse verfälschen, sagte der Direktor des größten nordrhein-westfälischen Veterinäruntersuchungsamts, Detlef Horn, am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa in Düsseldorf. „Da stoßen wir an Grenzen.“ Für eine gerichtsfeste Analyse seien originäre Muskelfleischproben des Schlachttieres nötig.
Mit DNA-Analysen könne festgestellt werden, ob in den Produkten Pferdefleisch enthalten sei, erläuterte Horn. Den Prozentsatz in den Hack-Sauce-Gerichten zu benennen, sei aber bereits schwierig.

Als Folge hat die EU-Kommission angekündigt, mit einem DNA-Test zukünftig wirksamer gegen falsch deklariertes Fleisch vorzugehen. Die ersten 2500 Gentests könnten den Plänen zufolge im März stattfinden, etwa 200 davon in Deutschland, teilte EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg am Mittwoch nach einem Krisentreffen acht beteiligter Staaten in Brüssel mit. Ergebnisse sollen Borg zufolge Mitte April veröffentlicht werden. Insbesondere Irland und Großbritannien hatten auf gentechnische Untersuchungen gedrungen.

Um sicherzustellen, dass Verbraucher mit dem Fleisch keine Pferdemedikamente zu sich nehmen, will die EU-Kommission eine weitere Testreihe vorschlagen. Dabei sollen die Behörden Pferdefleisch auf mögliche Rückstände des Medikaments Phenylbutazon untersuchen. Das Mittel wird bei Pferden gegen Entzündungen eingesetzt. Es gilt auch als Doping-Mittel im Pferdesport. 1500 in die EU eingeführte Pferdekadaver sollten untersucht werden, zudem 2500 in Europa geschlachtete Tiere.

Auch der Bundestag wird den Skandal zum Thema machen. Der Ernährungsausschuss will sich in seiner Sitzung am kommenden Mittwoch ausführlich damit befassen, wie der Vorsitzende Hans-Michael Goldmann (FDP) am Donnerstag sagte. „Ein solcher Vorfall erschüttert das Vertrauen der Verbraucher und bringt eine ganze Branche in Verruf.“ Erforderlich seien nicht nur zertifizierte Verarbeitungsbetriebe, sondern auch zertifizierte Lieferanten.

Erste Stimmen aus der deutschen Politik spiegeln die allgemeine Empörung über den Fleisch-Skandal. „Man könnte fast sagen: Es ist eine echte Sauerei“, sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“ zu dem Fund bei Real. „Das ist kriminell“, erklärte Aigners nordrhein-westfälischer Kollege Johannes Remmel (Grüne). Grünen-Fraktionschefin Renate Künast kritisierte die Billig-Produktion von Fleisch. „Beim Pferdefleisch zeigt sich, dass die Billig-Billig-Ideologie wirklich Probleme bereitet“, sagte sie am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk.

Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) hat den Lebensmittelhandel aufgefordert, sämtliche Verdachtsfälle im Pferdefleisch-Skandal offen zu legen. „Viele Einzelhändler haben in den letzten Tagen und Wochen stille Rückrufaktionen unternommen, weil sie offenbar schon einen Verdacht hatten“, teilte Remmel am Donnerstag in Düsseldorf mit. Die Verbraucher hätten davon aber nichts erfahren.

Nach Nordrhein-Westfalen ist möglicherweise auch in Baden-Württemberg Lasagne mit Pferdefleisch in den Handel gelangt. Lieferungen aus französischen Firmen, die in den Skandal um das falsch deklarierte Fleisch verwickelt sind, seien über Nordrhein-Westfalen nach Baden-Württemberg gelangt, teilte am Donnerstag in Stuttgart das Landesverbraucherministerium mit. „Die verdächtige Ware wurde aus dem Verkehr gezogen“, erklärte eine Ministeriumssprecherin.

Es ist sechs Uhr morgens und Sie haben die wichtigsten Zeitungen schon gelesen. Oder die Tagesspiegel Morgenlage. Redaktionsschluss fünf Uhr morgens. Minuten später auf Ihrem Smartphone, Tablet oder Computer. Die kostenlose Nachrichten- und Presseschau gibt es für Politik-Entscheider oder Wirtschafts-Entscheider. Entscheiden Sie sich für eine oder beide.

Umfrage

Die Lokführer streiken bundesweit. Haben Sie dafür Verständnis?

Börse & Finanzen

Ratgeber Strom
Steckdose mit Steckern

Warum ist der Strom so teuer? Wie kann ich Geld sparen? Wo finde ich einen günstigen Anbieter?

Diese und weitere Artikel zum Thema Strom finden Sie auf unserem Ratgeberportal.

Jetzt Tagesgeld und Festgeld vergleichen

Lohnt sich ein Konto?
Wie hoch sind die Zinsen? Und welche Bank bietet die besten Konditionen?

>> Hier finden Sie allgemeine Informationen zum Tagesgeld.
>> Lesen Sie wichtige Infos zum Thema Festgeld und informieren Sie sich über die besten Angebote.

Zinssätze vergleichen
>> Zum Tagesgeld-Vergleich

>> Zum Festgeld-Vergleich

Vorsorge: Riester und Versicherungen

Wir klären auf: Riester-Rente, PKV und Berufsunfähigkeitsversicherung - Lohnt sich das wirklich?

>> Ein Wechsel in die Private Krankenversicherung kann sich lohnen.
>> Berechnen Sie mit unserem Rentenrechner Ihre Zulagen.
>> Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung vorsorgen

Brutto-Netto-Rechner 2014

Wie viel bleibt nach Abzug aller Abgaben vom Gehalt übrig?

Tagesspiegel twittert

Sie möchten sich beruflich verändern?
Dann sind Sie hier richtig! Recherchieren Sie in den Anzeigen der letzten sechs Tagesspiegel-Ausgaben und finden Sie Ihre neue Stelle.

Empfehlungen bei Facebook

Weitere Themen

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz

Service

Immobilien

Eigenheimfinanzierung, Mietrecht, Immobilienmarkt und mehr.

Zur Immobilienseite des Tagesspiegel.