Wirtschaft : Pfizer kommt in USA vor Gericht

Es geht um Arzneitests an Kindern in Nigeria

Washington - Der Streit um illegale Arzneimitteltests des US-Pharmakonzerns Pfizer in Nigeria wird vor Gericht ausgetragen. Der Oberste Gerichtshof der USA wies am Dienstag ohne jede Begründung einen Einspruch von Pfizer gegen ein Gerichtsverfahren ab und nahm die Beschwerde nicht zur Verhandlung an. Damit blieb das Urteil eines Berufungsgerichts in New York in Kraft, wonach der Fall der illegalen Tests vor Gericht verhandelt werden soll.

Pfizer hatte 1996 im nordnigerianischen Bundesstaat Kano sein antibiotisches Meningitis-Medikament Trovan an rund 200 Kindern getestet. Zu der Zeit herrschte in der Region eine Epidemie von Meningitis, Masern und Cholera, die rund 12 000 Menschen das Leben kostete. Elf Kinder starben während der Trovan-Tests, 189 weitere erlitten körperliche Schäden wie Erblinden, Hirnschäden und Lähmungserscheinungen. Pfizer versicherte, für die Tests die mündliche Einverständniserklärung der Eltern erhalten zu haben, was diese aber bestritten.

Nach zweijährigem Rechtsstreit hatten sich Pfizer und der Bundesstaat Kano im vergangenen Juli außergerichtlich darauf geeinigt, dass der weltgrößte Pharmakonzern in der Angelegenheit 75 Millionen Dollar (heute umgerechnet gut 61 Millionen Euro) zahlen soll. Davon sollten 35 Millionen Dollar an die Opfer der Medikamententests fließen, im Gegenzug sollte das Verfahren gegen Pfizer eingestellt werden. Im Mai hatte jedoch eine Anwaltskanzlei, die die Familien der insgesamt 192 Opfer der Tests vertritt, mitgeteilt, dass diese die Entschädigungsregelung ablehnten.

Der Konzern, dessen Deutschland-Zentrale in Berlin sitzt, zeigte sich in einer Erklärung enttäuscht über die Entscheidung des Obersten US-Gerichtshofs. Dies sei jedoch lediglich eine „Verfahrensentscheidung“, und der Konzern sei weiterhin zuversichtlich, dass er letztlich recht bekommen werde. „Pfizer ist bereit, seine Verteidigung vor Gericht zu präsentieren“, hieß es in der Erklärung. Das getestete Medikament ist generell umstritten. Trovan ist seit Februar 1998 auf dem Weltmarkt. Durch missbräuchliche Einnahme starben auch in den USA bereits mehrere Menschen. AFP

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