Pflanzenschutz : Angst um den Grünstreifen

Den rund 50 000 Kleingärtnern Berlins rät das Pflanzenschutzamt im Kampf gegen den Apfelblattsauger zu einer „Austriebsspritzung mit einem ölhaltigen Mittel“. Anderen Pflanzenbesitzern, die nun Mehltaupilzbefall diagnostizieren, sei der Kauf spezieller Präparate im Handel empfohlen, heißt es im jüngsten Gartenbrief der Behörde.

Den Berliner Bezirken aber, die riesige öffentliche Grünflächen verwalten, kann das Amt derzeit kaum helfen. Mitte Februar ist eine EU-Richtlinie in nationales Recht übertragen worden, das deutsche Pflanzenschutzgesetz wurde geändert. Nun dürfen auf öffentliche Flächen nur noch solche Mittel zum Einsatz kommen, die eigens dafür zugelassen worden sind. „Wir haben keine Erfahrung, wie lange das dauert“, sagt Barbara Jäckel vom Pflanzenschutzamt Berlin. In Berlin stünden derzeit für öffentliche Parks und Gärten, Grünanlagen, Freizeitanlagen und Sportplätze, Spielplätze, Schulgelände, Kitas, Friedhöfe keine zugelassenen Pflanzenmittel zur Verfügung. „Ich sehe ein Problem etwa bei Mittelgrünstreifen an Straßen.“

Dort stehende Eichen zum Beispiel seien derzeit akut von einem Borkenkäfer bedroht. Würden deren Stämme nicht bestrichen, bräuchten die Bäume zum Schutz bessere Bewässerung und Pflege. „Dafür fehlt den Bezirken aber das Geld“, sagt Jäckel. Komme es zum Befall, müssten die Grünstreifen mit Zäunen gesichert werden. „Es wird also vorerst in jedem Fall teuer.“

Jäckel forderte die Pflanzenschutzindustrie, die jährlich 1,25 Milliarden Euro hierzulande erlöst, auf, bei der Anpassung ihrer Produkte nicht nur an das lukrative Geschäft mit Landwirten und Golfplatzbetreibern zu denken, sondern auch an die Kommunen, die schnell spezielle, also weniger wirkstoffreiche Produkte benötigten. kph

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