Wirtschaft : Pflegeeltern protestieren gegen Kürzungen

Senat will das Erziehungsgeld drastisch reduzieren

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Aus Protest gegen die geplante Kürzung des Erziehungsgeldes für Pflegekinder wollen Pflegeeltern heute zum Amtssitz von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) ziehen und einem seiner Mitarbeiter symbolisch Pappkameraden übergeben: Künftig sollen alle Pflegeeltern einen einheitlichen Betrag von 300 Euro pro Kind bekommen. Bei schwer erziehbaren Kindern sollen es 550 Euro sein. Dies bedeutet eine erhebliche Einbuße für Pflegeeltern mit heilpädagogischer Ausbildung. Sie erhielten bisher knapp 960 Euro pro Kind.

Mit dem eingesparten Geld sollen die Jugendämter die Pflegefamilien besser betreuen und auch kontrollieren können. Außerdem soll die Rückführung der Kinder in die Ursprungsfamilien gefördert werden.

Zwar ist eine Übergangsregelung von fünf Jahren vorgesehen, damit sich die Pflegeeltern mit heilpädagogischer Ausbildung, die sich seit Jahren um ein bis drei Pflegekinder kümmern, langfristig auf das veränderte Budget einstellen können. Dennoch wollen die Betroffenen die Einbußen nicht hinnehmen: Insbesondere Pflegeeltern, bei denen beide Partner sich um die Kinder kümmern und keiner „dazuverdient“, wissen nicht, wie sie künftig über die Runden kommen sollen.

„Mir nützt auch eine Übergangsregelung nichts“, sagt etwa die studierte Pädagogin Katja Paternoga. Mit ihrem Ehemann, ebenfalls Pädagoge, kümmert sie sich seit sieben Jahren neben ihren eigenen drei Kindern um drei zum Teil geistig behinderte Kinder im Alter von acht, neun und zehn Jahren. Somit würden sie rund 1200 Euro weniger pro Monat vom Land bekommen. Schon jetzt sind Pflegefamilien für das Jugendamt wesentlich preiswerter als die Heimunterbringung. Heimplätze sind rund dreimal teurer.

In Berlin gibt es etwa 1700 Pflegefamilien mit 2730 Kindern (Stand 31.12.2001). 30 bis 40 Prozent der Pflegemütter und -väter haben eine heilpädagogische Ausbildung, die von den Jugendämtern angeboten wird. Bisher wurde zwischen Eltern mit und ohne heilpädagogischer Ausbildung unterschieden. Letztere bekommen weniger Pflegegeld. In Zukunft sollen sich alle Pflegeeltern fortbilden und dann einheitliche Betreuungssätze erhalten. suz

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