Wirtschaft : Pflegekassen droht der Kollaps

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Berlin – Die Pflegekassen steuern auf einen finanziellen Kollaps zu. Der Gesundheitsökonom Bernd Raffelhüschen warnte am Donnerstag in Berlin vor einem Zusammenbruch der gesetzlichen Pflegeversicherung. Da immer mehr Menschen pflegebedürftig würden, drohe im Jahr 2050 ein Defizit von 700 Millionen Euro. Auch die privaten Krankenversicherer schlagen Alarm. Spätestens 2007 werden die Finanzreserven der gesetzlichen Pflegekassen aufgebraucht sein, sagte der Direktor des PKVVerbands, Volker Leienbach. Dann drohten Beitragserhöhungen von bis zu 5,9 Prozent. Bedenklich sei auch, dass die Pflegeleistungen nicht dynamisiert werden. Allein inflationsbedingt sei das Pflegegeld heute 13 Prozent weniger wert als 1995. Um künftig die Leistungen zu dynamisieren, schlägt der PKV-Verband eine zusätzliche kapitalgedeckte Versicherungskomponente vor. Jeder gesetzlich Krankenversicherte soll 8,50 Euro im Monat zahlen, schlagen die privaten Krankenversicherer vor, Kinder sollen beitragsfrei bleiben. Der Versicherungsbeitrag soll jedes Jahr um einen Euro steigen. Mit der Versicherungsprämie, die allein vom Versicherten zu tragen ist, soll ein jährlicher Anstieg des Pflegegeldes um zwei Prozent finanziert werden. In dem Beitragsmodell geht der Verband jedoch von einer erheblichen Kürzung des stationären Pflegegeldes in den Pflegestufen eins und zwei aus. Ohne eine solche Anpassung liege die Einstiegsprämie bei 11,50 Euro.

„Sehr teuer“ sei dieses Modell, kritisiert die pflegepolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Petra Selg. Immerhin solle jeder Erwachsene diesen Betrag zahlen. Und: Zusätzliche Leistungen würden die Prämie noch verteuern. Im Sommer wollen die Regierungsfraktionen ein gemeinsames Reformkonzept für die Pflegeversicherung erarbeiten. hej

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