Wirtschaft : Pharma-Industrie: Aventis trennt sich von Messer Griesheim

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Aventis hat seine Mehrheitsbeteiligung an dem Industriegase-Hersteller Messer Griesheim an die Beteiligungsgesellschaft Allianz Capital Partners (ACP) und die Investmentbank Goldmann Sachs verkauft. Über die Höhe der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart, teilte Aventis am Mittwoch mit. Der Pharmakonzern, der Ende 1999 aus der Fusion von Hoechst und Rhône-Poulenc hervorgegangen war, hat über die Hoechst AG bislang 66,6 Prozent an der Messer Griesheim GmbH gehalten. Diesen Anteil werden Goldman Sachs und die Allianz-Tochter ACP künftig gemeinsam übernehmen. Weitere 33,3 Prozent behält die Gründerfamilie Messer. Das Management ist mit 0,1 Prozent beteiligt. Dem Verkauf müssen die Wettbewerbsbehörden noch zustimmen.

"Diese Transaktion ist ein weiterer Schritt im Zuge der strategischen Konzentration auf unser Kerngeschäft Pharma", erklärte Aventis-Finanzvorstand Patrick Langlois. Diese neue Strategie, die eine Abkehr vom bisher verfolgten Life-Science-Konzept bedeutet, also der Verbindung von Pharma und Agrochemie, hatte Aventis-Chef Jürgen Dormann am 15. November verkündet. Gleichzeitig hatte er die Trennung von der Pflanzenschutzsparte Aventis Crop-Science bis Ende 2001 angekündigt. Der Verkauf der 50-prozentigen Beteiligung an der Wacker-Chemie war Mitte Dezember bekanntgegeben worden. Nun steht bei Aventis im Chemiebereich nur noch der 35 Prozent-Anteil am Textilfarbstoff-Hersteller Dystar zum Verkauf, an der auch die BASF und Bayer Anteile halten.

Die endgültig Einigung über den Verkauf von Messer Griesheim hatte sich zuletzt immer wieder verzögert. Noch kurz vor Weihnachten hatte Paul Achleitner, Finanzvorstand des Allianz-Konzerns, ein Scheitern der Gespräche grundsätzlich nicht ausgeschlossen. An Silvester wurden sich die beteiligten Parteien dann doch noch einig. Danach zahlen Goldman Sachs und die AllianzTochter ACP für zwei Drittel der MesserAnteile nach Angaben aus Branchenkreisen etwa 700 Millionen Euro an Aventis. Zudem werden die nicht unerheblichen Schulden von Messer übernommen, die zum Jahresende 1999 bei 1,4 Milliarden Euro gelegen hatten.

"Messer Griesheim war eine schwierige Transaktion", sagte Peter Spengler, Pharma-Analyst bei der DG Bank. Durch den Anteilsverkauf käme Aventis seinem Ziel näher, die Nettoschulden, die 1999 bei etwa 12,6 Milliarden Euro gelegen hätten, bis 2002 auf etwa neun Milliarden Euro abzubauen. Zusammen mit der Abgabe der Wacker-Beteiligung könnten die Verbindlichkeiten nun um etwa 1,5 Milliarden Euro verringert werden. James Culverwell von Merrill Lynch bezeichnete die Schuldenreduzierung als hilfreich. Seiner Einschätzung nach werden Investoren nun vor allem mehr Vertrauen in das Management gewinnen, die bei der Fusion gesteckten Ziele auch zu erreichen.

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