Wirtschaft : Pharma-Industrie fordert neues Gesundheitssystem Sieben-Punkte-Programm für eine große Reform

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Berlin (pet). Der Pharma-Mittelstand hat die neue Bundesregierung dazu aufgerufen, eine grundlegende Gesundheitsreform auf den Weg zu bringen. „Die allein an Kostendämpfung orientierte Politik muss als gescheitert betrachtet werden“, sagte Bernd Wegener, der Vorsitzende des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) am Donnerstag in Berlin. Ohne eine große Gesundheitsreform bestehe die Gefahr, dass „der Pharmastandort Deutschland kaputtgespart“ werde, sagte Wegener, der gestern ein sieben-Punkte-Programm zur Reform des Gesundheitswesens vorlegte.

Der BPI vertritt die Interessen von 300 mittelständischen Unternehmen. Sie sehen sich durch die Sparmaßnahmen der rot-grünen Bundesregierung stärker betroffen als global agierende Pharmakonzerne, da sie überwiegend standortgebunden sind und „Verluste nicht anderswo kompensieren können“, wie Wegener sagte. Andererseits steht auch die Bundesregierung unter Druck: Sie muss versuchen, die steigenden Kosten im Gesundheitswesen einzudämmen. Allein im ersten Halbjahr belief sich das Defizit der Kassen auf 2,4 Milliarden Euro, vor allem bedingt durch gestiegene Arzneimittelausgaben.

Zur Finanzierung der Gesundheitskosten hält der Pharma-Mittelstand einen Systemwechsel in der Krankenversicherung für unumgänglich. Der Verband schlägt ein gesetzlich festgelegtes „Standardpaket“ vor, mit einem begrenzten Leistungsumfang für alle zum Festpreis. Daneben soll es nach Vorstellung des Verbandes eine (freiwillige) Zusatzversicherung geben, in der „Kopfbeiträge“ unabhängig vom Einkommen gezahlt werden. Danach wären Familienangehörige nicht mehr, wie bisher, gratis mitversichert. Als Ausgleich dafür, so der BPI, könnte zum Beispiel ein höheres Kindergeld gezahlt oder Steuergutschriften ausgestellt werden. Außerdem spricht sich der Verband für eine Aufhebung der Trennung zwischen gesetzlichen und privaten Krankenkassen aus.

BPI-Chef Wegener begrüßte den Vorschlag des DGB-Vorsitzenden Michael Sommer, zum Thema Gesundheit eine Expertenkommission nach dem Vorbild der Hartz-Kommission einzuberufen. „Wir würden hier konstruktiv mitarbeiten wollen.“

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