Wirtschaft : Pharma-Industrie: Marktanteil deutscher Firmen sinkt

Die deutsche Pharma-Industrie verliert auf heimischem Markt weiter an Boden. Strenge Zulassungsverfahren für Medikamente und die politischen Rahmenbedingungen belasteten vor allem die mittelständischen Arzneimittelhersteller, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Hans Sendler, am Donnerstag in Frankfurt. Der Marktanteil der deutschen Hersteller sei binnen zwei Jahren um 8,4 Prozent auf 40,5 Prozent Ende 1999 gesunken.

Neben den strengen Zulassungsverfahren für Medikamente im Vergleich zu anderen Ländern der Europäischen Union erschwerten den Unternehmen unter anderem die Arzneibudgets und die geplante Positivliste für Medikamente den Wettbewerb. Nur Medikamente, die auf der Positivliste stehen, sollen künftig von Ärzten verordnet werden dürfen. Insgesamt habe sich der Arzneimittelmarkt von Januar bis Juli 2000 in Deutschland jedoch positiv entwickelt, sagte Sendler. Der Umsatz im Apothekenmarkt sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent auf 17,7 Milliarden Mark (9,05 Milliarden Euro) gestiegen. Vor allem international tätige Unternehmen hätten profitiert. Im vergangenen Jahr stieg in Deutschland die Arzneimittelproduktion um 3,4 Prozent auf 36 Milliarden Mark.

Eine Stütze der Industrie ist dem Verband zufolge das Auslandsgeschäft. 1999 hätten die Hersteller Arzneimittel im Wert von 28,6 Milliarden Mark ausgeführt. Dies sei ein Plus von 9,6 Prozent. Die Einfuhren stiegen um 35,1 Prozent auf 21,4 Milliarden Mark. Ausländische Märkte entwickelten sich 1999 weitaus besser. Während in Deutschland der Arzneimittelmarkt um 5,3 Prozent auf 33,6 Milliarden Mark wuchs, erreichte der Weltmarkt ein Wachstum von zehn Prozent, in Nordamerika sogar von 16 Prozent.

Die geplante Positivliste wurde von dem Verband, der nach eigenen Angaben rund 300 Mitgliedsunternehmen hat, scharf kritisiert. Die Liste, die zum Juli 2001 in Kraft gesetzt werden solle, verstoße gegen europäische Vorschriften, erläuterte Sendler. "Wir haben die EU-Kommission gebeten, die deutschen Vorschriften zu überprüfen und einzuschreiten." Nach den europäischen Regelungen müssten die Hersteller Anträge auf eine Aufnahme ihrer Produkte in die Listen stellen können. Dies sei jedoch nicht vorgesehen. Zudem bemängelte Sendler, dass die Liste das Leistungsangebot der Krankenkassen einschränke. Sie führe zur Substitution von günstigeren durch teurere Medikamente und erhöhe dadurch die Kosten des Gesundheitssystems. Analysen zeigten, dass in Deutschland 1999 die Zahl der abgesetzten Packungen mit neuen patentgeschützten und somit teureren Präparaten um 13,8 Prozent zugelegt habe, gleichzeitig aber 2,2 Prozent weniger Festbetrags-Medikamente umgesetzt worden seien.

Der Verband sprach sich auch für eine Ablösung der Arzneibudgets und eine Einführung von Richtgrößen aus. Die Behandlung einer Krankheit müsse sich an einem Kosten-Richtwert orientieren.

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