Wirtschaft : Pharma-Konzerne bemängeln SPD-Wahlprogramm

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Berlin (pet). Die Pharmakonzerne haben die gesundheitspolitischen Wahlprüfsteine der SPD heftig kritisiert. Der Plan, neu zugelassene Medikamente nur dann von den Kassen erstatten zu lassen, wenn ein „Zusatznutzen“ nachgewiesen werde, sei fortschrittsfeindlich, sagte Cornelia Yzer, Geschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), am Montag in Berlin. Der Verband repräsentiert die großen Pharmakonzerne.

Die Pharmaindustrie hat ein großes Interesse daran, neue, innovative Medikamente zu vermarkten. Denn nur während der Laufzeit der Patente - in der Regel 20 Jahre - haben die Hersteller ein exklusives Vermarktungsrecht. Das gibt ihnen das Recht, die Preise für patentgeschützte Medikamente selbst festzusetzen. Sie unterliegen dann nicht den preisdämpfenden Festbetragsregelungen. Gesundheitsexperten und Krankenkassen kritisieren aber, dass viele vermeintliche Innovationen nicht wirklich neu sind, sondern nur ein bereits bekanntes und erfolgreich auf dem Markt eingeführtes Medikament imitieren. Trotzdem würden sie zu einem hohen Preis verkauft. Das treibe die Kosten im Gesundheitswesen unnötig nach oben.

Nach Angaben von Gerd Glaeske, Sachverständiger der Bundesregierung in Gesundheitsfragen, sind von den bis zu 50 Wirkstoffen, die im vergangenen Jahr zugelassen worden sind, nur etwa ein Drittel wirkliche Innovationen und zwei Drittel Analogprodukte, die bereits bekannte Arzneimittel nachahmen. „Es gibt keine vernünftige Kosten-Nutzen-Rechnung“, sagte er dem Tagesspiegel. Darum sei es sinnvoll, neue Arzneimittel nach der Zulassung auf ihre tatsächliche Effizienz und Wirksamkeit zu überprüfen. Diese Forderung ist auch Bestandteil des SPD-Wahlprogramms.

VFA-Geschäftsführerin Yzer warf der SPD dagegen vor, den Patienten innovative Arzneimittel aus Kostengründen vorzuenthalten. Die Formel „Innovativ sollen die Arzneimittel schon sein, aber vor allem auch billig“, könne nicht funktionieren. Kostendämpfung habe nach wie vor Vorrang vor qualitätsorientierter Versorgung, kritisierte sie. Dabei werde aber übersehen, dass auch auf den ersten Blick teure Innovationen zu deutlichen Kosteneinsparungen beitragen könnten.

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