Pharma-Versand : Schlecker stolpert ins Arzneigeschäft

Der Drogerie-Discounter muss den Start in den Versandhandel mit Pillen nach einer Eil-Klage verschieben. Mit dem Einstieg in den Apothekenmarkt wollte Schlecker eine Aufholjagd auf Konkurrenten wie die Drogeriemarktkette dm starten.

Maren Peters

Berlin - Am Anfang grüßt eine freundliche Telefonstimme den Anrufer: „Willkommen bei Vitalsana“. Doch danach ist sehr schnell Schluss. Tut – tut – tut. Ende.

Verstopfte Telefonleitungen waren am Montag nicht das einzige Problem, das den Einstieg der Drogeriekette Schlecker ins Apothekengeschäft erschwerte. Am Nachmittag war noch unklar, ob der Discounter sein neues Geschäftsfeld überhaupt starten konnte. Einem Medienbericht zufolge musste die größte Drogeriekette Deutschlands den geplanten Einstieg in den Versandhandel mit Pillen wegen einstweiliger Verfügungen sogar auf unbestimmte Zeit verschieben. Die Schlecker-Zentrale in Ehingen ließ das am Montag offen: Sie war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Mit dem Einstieg in den Apothekenmarkt wollte Schlecker eine Aufholjagd auf Konkurrenten wie die Drogeriemarktkette dm starten. Die im Vergleich mit Schlecker deutlich kleinere Kette bietet in 80 Filialen in Nordrhein-Westfalen bereits rezeptpflichtige Arzneimittel der niederländischen Versandapotheke Europa Apotheke Venlo an. Auch dm hatte sich den Medikamentenvertrieb erst vor Gericht erstreiten müssen. Schlecker hatte in einem Prospekt Rabatte von bis zu 40 Prozent angekündigt. Eine Schachtel mit 20 Aspirin etwa wird für 2,99 Euro angeboten. Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers Bayer liegt dem Prospekt zufolge bei 4,97 Euro.

Das Verteilen dieser Prospekte musste Schlecker am Montag aber offenbar einstellen. Verschiedene Filialleiter des Unternehmens aus Nordrhein-Westfalen hätten bestätigt, dass der Verkaufsstart wegen Eil-Klagen gestoppt worden sei, berichtet die „Welt“. Grund seien ungeklärte Rechtsfragen. Ein neuer Anlauf sei für Anfang März geplant.

Wer der Kläger war, blieb am Montag offen. Die Apothekerschaft, die zu den größten Kritikern des Pillenversands zählt, hat damit nach Angaben nichts zu tun. „Wir haben nichts erwirkt“, sagte ein Sprecher der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände dieser Zeitung. Auch der Bundesverband der Versandapotheken wies die Verantwortung von sich.

Schlecker will den Arzneimittelhandel über die niederländische Versandapotheke Vitalsana abwickeln. Nach Angaben des Branchendienstes „Apotheke Adhoc“ ist sie ein Tochterunternehmen von Schlecker, mit Sitz im holländischen Heerlen. Nur wenige Kilometer davon entfernt hat auch die Internet-Apotheke Doc Morris ihren Sitz, die inzwischen zum Pharmagroßhändler Celesio gehört.

Die Bedeutung des Versandhandels mit Pillen ist hierzulande noch gering. Er macht nur rund drei Prozent der gesamten Apothekenumsätze aus.

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