Wirtschaft : Pharmabranche fürchtet Pleitewelle Branchenverband warnt

vor Folgen der Gesundheitsreform

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Berlin (akz). Die deutsche Pharmaindustrie befürchtet gravierende Konsequenzen durch die 2004 in Kraft tretende Gesundheitsreform. Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) machte am Mittwoch deutlich, dass besonders mittelständische Unternehmen der Branche Arbeitsplätze abbauen und ihre Forschungsaktivitäten einschränken werden. „Wir rechnen mit einem Anstieg der Insolvenzen und Fusionen sowie mit einer Abwanderung von Firmen ins Ausland“, sagte Bernd Wegener, Vorsitzender des BPI. Einer aktuellen Studie zufolge sehen sich über die Hälfte der befragten Unternehmen in ihrer Existenz bedroht. Vier Fünftel erwarten ein großflächiges Sterben des pharmazeutischen Mittelstandes.

Am 1. Januar 2004 tritt die Reform mit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz in Kraft. Eine für die Industrie wichtige Änderungen ergibt sich dadurch, dass verschreibungsfreie Arzneimittel nicht mehr von der Krankenkasse ersetzt werden. Zudem steigt der Rabatt, den ArzneimittelHersteller und -Vertreiber überwiegend auf patentgeschützte Medikamente gewähren müssen: Der Nachlass erhöht sich ab Januar von sechs auf 16 Prozent. „Wie Unternehmen mittlerer Größe, die durchschnittlich mit Renditen zwischen fünf und zehn Prozent arbeiten, einen Zwangsrabatt von 16 Prozent abführen sollen, bleibt fraglich“, warnte Wegener.

Die düstere Stimmung in der Branche wird auch von einer Studie der WestLB, des Institutes of Healthcare Industries (IHCI), der Steinbeis Hochschule Berlin und des BPI bestätigt. In einer Umfrage, an der sich 100 Mitgliedsfirmen des BPI beteiligt hatten, ergab, dass 77 Prozent der befragten Unternehmen mit einem Umsatzrückgang rechnen. 89 Prozent erwarten einen Gewinnrückgang, und 75 Prozent rechnen mit einer Wertminderung ihres Unternehmens. „Als Folge werden die Unternehmen Arbeitsplätze abbauen und ihre Forschungsausgaben senken“, sagte IHCI-Forscher Michael Brucksch. „Deutschland wird als Pharmastandort zunehmend unattraktiv“, fasst Brucksch die Studie zusammen.

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