Wirtschaft : Pharmafirmen fordern Hilfe gegen Aids In Afrika fehlt es an Infrastruktur und Personal

Maren Peters

Berlin - Eine Woche vor dem G-8-Gipfeltreffen hat die Pharmaindustrie die Industrieländer aufgefordert, für den Kampf gegen Aids und andere gefährliche Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Die Pharmaunternehmen hätten bereits einen großen Beitrag geleistet und durch die Abgabe verbilligter Aids-Medikamente in Entwicklungsländern deutlich mehr Menschen den Zugang zu diesen Mitteln verschafft, sagte Harvey Bale, Chef des internationalen Pharmaverbandes IFPMA, am Donnerstag in Berlin.

Ein Problem sei aber, die nötige Infrastruktur zu schaffen, um sicherzustellen, „dass die Medikamente zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind“, sagte Andreas Barner, der Vorsitzende des nationalen Pharmaverbandes VFA. Auch Parlamentarier aus den G-8- Staaten forderten bei einer Konferenz in Berlin, die Mittel im Kampf gegen Aids von derzeit 8,3 Milliarden Euro auf 17,3 Milliarden Euro zu verdoppeln.

Die Chancen, dass die Forderungen in Heiligendamm umgesetzt werden, stehen offenbar nicht schlecht. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte angekündigt, dass die G-8-Staaten die Mittel im Kampf gegen Aids aufstocken wollen, aber keine Zahlen genannt. Das Entwicklungshilfeministerium sprach von einem „substanziellen Signal“, das von Heiligendamm ausgehen müsse. Aus Regierungskreisen war verlautet, dass Deutschland zusätzliche Entwicklungshilfegelder von zwei bis drei Milliarden Euro für die kommenden vier Jahre zusagen wolle. Von Heiligendamm solle eine „Botschaft des Vertrauens“ ausgehen.

Weltweit sind rund 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, 94 Prozent davon entfallen nach Angaben des Ministeriums auf Entwicklungsländer. Doch nur 827 000 Aids-Patienten weltweit haben Zugang zu Medikamenten, wie die Pharmaverbände berichten. Die Zahl habe sich in den vergangenen beiden Jahren verdoppelt.

Sieben Konzerne haben sich im Jahr 2000 zu einer Initiative zusammengeschlossen, die entsprechende Medikamente verbilligt zur Verfügung stellen. Seitdem hätten deutlich mehr Kranke Zugang zu diesen Medikamenten, sagte Verbandschef Bale. Ein Hindernis sei aber, dass immer mehr Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte die armen Länder Richtung Europa verließen. Zudem sei nicht gewährleistet, dass Hilfsgelder und Medikamente bei den Empfängern ankämen. „Ohne die Unterstützung der Politik in den entsprechenden Länder geht es nicht“, betonte Bale.

Um Medikamente in Afrika billiger abgeben zu können, sei aber auch die Solidarität der entwickelten Staaten erforderlich, sagte VFA-Chef Barner. „Die reichen Länder müssen höhere Preise akzeptieren, um Medikamente in den armen Ländern zu finanzieren“, sagte Barner, der auch Forschungsvorstand von Boehringer-Ingelheim ist. Maren Peters

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