Wirtschaft : Pharmaindustrie: Deutscher Markt wächst unterdurchschnittlich

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Die Pharmaindustrie hat den Vorwurf zurückgewiesen, durch teure Medikamente eine Mitschuld an den drohenden Beitragserhöhungen in den gesetzlichen Krankenkassen zu tragen. Der Anteil der Arzneimittelausgaben an den Gesundheitskosten liege gerade bei 12,6 Prozent, sagte Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) am Montag in Berlin. "Damit liegen wir deutlich unter dem europäischen Durchschnitt."

Seit 1988 sei der Anteil in Deutschland zudem um fast zwei Prozentpunkte gesunken. Steigende Lebenserwartung und der medizinische Fortschritt würden aber auch in Deutschland den Bedarf an Gesundheitsleistungen weiter wachsen lassen, sagte Yzer bei der Vorlage der Statistik für das Jahr 2000. Die derzeitige Finanzierungsgrundlage der gesetzlichen Krankenversicherung werde dieser Entwicklung nicht gerecht. Grafik: Der Arzneimittelmarkt 2000 Im vergangenen Jahr haben die 38 Mitgliedsfirmen des VFA, darunter vor allem große Pharmakonzerne wie Bayer, Boehringer Ingelheim und Merck, ihren Umsatz nach Verbandsangaben um 5,6 Prozent auf rund 36,6 Milliarden Mark gesteigert. Die gesamte Branche verzeichnete dagegen nur einen Zuwachs von zwei Prozent auf insgesamt 41,3 Milliarden Mark. Vor allem das starke Exportgeschäft habe zu dem Wachstum beigetragen, sagte Yzer. So liege der Exportüberschuss im Jahr 2000 mit einem Zuwachs von 10,3 Milliarden Mark zum dritten Mal in Folge im zweistelligen Millionenbereich. Die Investitionen wurden nach Verbandsangaben um 6,7 Prozent auf 2,1 Milliarden Mark gesteigert. Zahlen für die ersten Monate des laufenden Jahres legte der Industrie-Verband nicht vor. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland nach VFA-Angaben 27 Arzneien mit neuen Wirkstoffen zugelassen, darunter auch vier gentechnisch hergestellte Arzneimittel. Der Marktanteil für gentechnisch hergestellte Arzneimittel habe sich im vergangenen Jahr deutlich erhöht. Allein die forschenden Arzneimittelhersteller hätten ihre Umsätze in diesem Bereich um knapp 28 Prozent auf 3,3 Milliarden Mark gesteigert. Auch unter den Wirkstoffen, die sich heute in der vorklinischen oder frühen klinischen Prüfung befänden, sei bereits jedes vierte gentechnischer Natur. "Die Biotechnologie wird weiter an Bedeutung gewinnen", sagte die Verbandsgeschäftsführerin. Bei der Zahl der Patentanmeldungen von Arzneimitteln mit biotechnologischem Bezug liegen die USA aber weiterhin mit großem Abstand vorn.

Insgesamt sei die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland bei den Medikamenten seit 1997 aber leicht zurückgegangen. "Deutschland hat nicht die höchste Innovationsfähigkeit und darum auch nicht den attraktivsten Markt", sagte Yzer. Im internationalen Vergleich wachse der deutsche Arzneimittelmarkt mit einer Zuwachsrate von sechs Prozent allerdings unterdurchschnittlich: So legten die USA im vergangenen Jahr um 13 Prozent zu, Italien um zehn und Frankreich um neun Prozent. Halte diese Entwicklung an, sei die Position des Pharmastandortes Deutschland in absehbarer Zeit gefährdet, sagte Yzer.

Im weltweiten Vergleich liegt der deutsche Pharmamarkt mit einem Umsatz von 30,5 Milliarden Mark auf Platz drei - hinter den USA (205,5 Milliarden Mark) und Japan (108,5 Milliarden Mark).

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