Pharmaindustrie : Merck auf neuem Kurs

Mit dem Verkauf seiner Generika-Sparte ist der Pharmakonzern Merck in der Neuausrichtung seiner Aktivitäten ein großes Stück vorangekommen. Die neu gewonnene Liquidität soll auch für den Forschungsbereich verwendet werden.

Darmstadt - Mit unerwartet großen Schritten kommt der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck bei seiner Neuausrichtung voran. Wenige Monate nach der Übernahme des Biotechnologie-Unternehmens Serono trennt sich das Familienunternehmen nun von seiner Generika-Sparte. Käufer ist das US-Unternehmen Mylan Laboratories (Canonsburg/US-Bundesstaat Pennsylvania).

Der ehemalige Lufthansa-Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley, der Ende April den Vorsitz der Geschäftsleitung der Merck KGaA übernahm, sagte: "Ich freue mich über den Abschluss. Es ist ein sehr guter Start als Vorsitzender. Diese Transaktion wird Merck erlauben, sich auf das weitere Wachstum der Unternehmensbereiche Pharma und Chemie zu konzentrieren."

Serono-Kredit kann teilweise abgezahlt werden

Mit einem Verkaufspreis von 4,9 Milliarden Euro fließt nicht nur reichlich Geld in die Kassen, mit dem Kredite aus der über 10 Milliarden Euro schweren Serono-Übernahme abgezahlt werden sollen. Auch der mehrmals von der Chefetage angekündigte Strategiewechsel hin zu einem Forschungsunternehmen für biotechnologische und chemisch definierte Arzneimittel wird mit diesem Schritt untermauert. Noch vor einem Jahr sah es danach überhaupt nicht aus: Damals musste sich Merck im Übernahmekampf um den Berliner Konkurrenten Schering gegen Bayer geschlagen geben, der Traum vom "Global Player" war erstmal ausgeträumt.

Doch nach den jüngsten Milliarden-Transaktionen scheint das im M-DAX gelistete Familienunternehmen nun wieder gut aufgestellt. In seiner Abschiedsrede auf der Hauptversammlung Ende April hatte der bisherige Merck-Chef Michael Römer den Verkauf des Geschäfts mit Nachahmerprodukten als "Weichenstellung für künftige Generationen" bezeichnet: "Es wird immer weniger, aber dafür größere Anbieter in diesem Markt geben. Um in diesem dynamischen Massenmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir verstärkt investieren", sagte Römer damals.

Scheu vor großen Investitionen bei Generika

Diese Investitionen wollte Merck, das als weltweite Nummer drei mit Generika 2006 einen Jahresumsatz von 1,8 Milliarden Euro erwirtschaftete und beim operativen Ergebnis um 29 Prozent auf 307 Millionen Euro zulegte, nicht stemmen. "Wir hätten weiter aquirieren und das Geschäft ausbauen müssen, um den Wert zu erhalten", sagte Kley am Sonntag. Dadurch wäre der nötige Spielraum für künftige Zukäufe in anderen Bereichen zu sehr eingeengt worden.

Zumal das Unternehmen in der Zukunft auch mehr Geld für die Erforschung und Entwicklung neuer Medikamente in die Hand nehmen will. Das scheint auch dringend notwendig zu sein. Denn mit dem Krebsmittel Erbitux und dem Medikament Rebif zur Behandlung schubförmiger Multipler Sklerose hat die Pharmasparte nur zwei wirklich umsatzstarke Präparate im Portfolio. Und das, obwohl sich Merck durch die Übernahme von Serono zu Europas größten Biotechnologie-Konzern aufgeschwungen hat. (Von Harald Schmidt, dpa)

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