Pharmaindustrie : Merck will Schering übernehmen

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck will seinen Berliner Konkurrenten Schering übernehmen. Schering-Aktionären soll ein Bar-Angebot gemacht werden.

Darmstadt/Berlin - Die im DAX notierte Schering AG bestätigte am Sonntag, Merck habe am Wochenende ein Barangebot in Höhe von 77 Euro je Schering-Aktie in Aussicht gestellt. Es gebe jedoch keine Verhandlungen über eine Fusion, das Angebot sei unaufgefordert abgegeben worden.

Der Schering-Vorstand betonte, er halte die Offerte für erheblich zu niedrig. In einer Pflichtmitteilung hieß es, «dass dieses Angebot die Gesellschaft und ihre Zukunftsaussichten als unabhängiger Pharmaspezialist erheblich unterbewertet». Von Merck war am Sonntag zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Das «Manager Magazin» hatte in seiner Online-Ausgabe über die geplante Transaktion berichtet. Um die Übernahme zu bezahlen, würden die Familiengesellschafter von Merck einen Teil ihres Aktienpakets verkaufen, hieß es in dem Bericht des Wirtschaftsmagazins.

In den vergangenen Wochen war mehrfach darüber spekuliert worden, dass Merck eine größere Übernahme plane. Der Erfolg des Mischkonzerns ist stark abhängig von den derzeit noch hoch profitablen Flüssigkristallen, die bei der Herstellung von Flachbildschirmen eingesetzt werden, sowie vom Krebsmittel Erbitux. In beiden Bereichen könnten Merck nach Einschätzung von Branchenkennern allerdings künftig Erlöse einbüßen.

Eine Großakquisition gilt daher als Gelegenheit, vor allem die Pharmasparte auf breitere Füße zu stellen. Die Merck-Aktien liegen bisher zu 73 Prozent in der Hand der Familie. Die Darmstädter hatten 2005 überraschend den Vorstandsvorsitzenden Bernhard Scheuble vor die Tür gesetzt und den langjährigen Manager Michael Römer als Übergangschef installiert. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Spiegel» könnte Lufthansa-Finanzvorstand Karl- Ludwig Kley im Sommer zur Merck KGaA wechseln und zu diesem Zeitpunkt oder später Nachfolger von Römer werden.

Im Fall eines Zusammenschlusses würde die im MDAX notierte Merck KGaA einen Konzern aus der ersten Börsenliga, dem DAX, übernehmen. Gemessen an den Zahlen sind die beiden Firmen jedoch etwa gleich groß: Merck beschäftigte Ende 2005 rund 29 000, Schering knapp 25 000 Mitarbeiter. Auch beim Umsatz liegen beide fast gleichauf: Bei Schering waren es im abgelaufenen Geschäftsjahr 5,3 Milliarden Euro, bei Merck 5,9 Milliarden Euro. Die Schering AG ist bekannt als Hersteller von Anti-Baby-Pillen und Krebsmitteln. Beide Seiten werden laut «Manager Magazin» bei der möglichen Fusion von renommierten Investmentbanken beraten. (tso/dpa)

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