Wirtschaft : Pharmaindustrie: Roche-Gruppe will angeblich Bayer kaufen

pet

Der Schweizer Pharmakonzern Roche will Gerüchten zufolge die Bayer AG übernehmen. Bayer habe bereits zwei Investmentbanken beauftragt, eine Strategie gegen feindliche Übernahmeversuche zu entwickeln, berichtete der Börsenbrief "Platow Börse" am Freitag. Bayer bestätigte, dass mit Banken die weitere Konzernstrategie entwickelt wird. Der Markt honorierte die Nachricht: Der Bayer-Kurs erreichte mit 55,60 Euro ein neues Jahreshoch.

Bayer-Sprecher Michael Schade bestätigte am Freitag nur, dass das Unternehmen gemeinsam mit der Deutschen Bank und der Credit Suisse First Boston eine neue Strategie entwickle. Es gehe aber nicht darum, eine feindliche Übernahme abzuwehren. "Das ist eine völlige Überinterpretation eines normalen Vorgangs", sagte Schade dem Tagesspiegel. Die beiden Banken seien "Dauerpartner" des Bayer-Konzerns, die Deutsche Bank habe Bayer bereits beim Börsengang von der Bayer-Tochter Agfa beraten, die Credit Suisse bei dem 100-Millionen Mark-Deal mit der Bioinformatik-Firma Lion Bioscience unterstützt. Vor 14 Tagen seien schon einmal Gerüchte über eine Übernahme durch den Roche-Konzern aufgekommen, "dagegen kann man sich nicht wehren", sagte Schade. Bei Roche Holding in Basel hieß es am Freitag nur: "Wir kommentieren dieses Gerücht nicht."

Bayer wolle "aus eigener Kraft wachsen", betonte Unternehmenssprecher Schade. Ziel der Strategiegespräche sei es, den shareholder value zu steigern. Zusammen mit den Banken würden jetzt noch intensiver Strategien, Theorien und Überlegungen für alle denkbaren künftigen Vorgehensweisen diskutiert. Das könnten Investor Relations oder Kommunikationsstrategien sein. Darüber hinaus werde in den Gesprächen auch der Börsengang an der New Yorker Stock Exchange vorbereitet, der für das Ende des zweiten Quartals 2001 geplant sei. Erste Ergebnisse seien voraussichtlich Anfang nächsten Jahres zu erwarten.

Der Börsenbrief "Platow Börse" hatte am Freitag berichtet, Bayer befürchte seit geraumer Zeit den Versuch einer feindlichen Übernahme durch britische oder US-amerikanische Pharmagrößen. Nach Angaben des Börsenbriefs lohne sich ein Einstieg bei Bayer mit anschließendem Spin Off, also einer Ausgliederung, beispielsweise bei der Chemiesparte. Analysten zeigten sich angesichts der Spekulationen wenig überrascht. "Gerüchte um eine Übernahme durch Roche hat es immer mal wieder gegeben", hieß es aus gut informierten Kreisen. Von der Mentalität her würden die Unternehmen gut zusammenpassen. "Das ist ein Schritt, auf den Investoren gewartet haben", sagte Petra Meyer vom Bankhaus Oppenheim angesichts der Bayer-Pläne, über eine strategische Weiterentwicklung des Konzerns zu beraten. Sinnvoll sei eine Fusion mit Roche in den Bereichen Pharma/Healthcare, die Position von Bayer auf dem US-Markt werde aber nicht gestärkt.

Auch Carsten Riester von der SGZ-Bank schloss die Möglichkeit einer Übernahme durch Roche nicht aus. "Roche will sich stärker in Europa positionieren", sagte der Pharma-Analyst. "Ein Zusammengehen mit Bayer würde Sinn machen." Der Leverkusener Konzern stehe "hervorragend da", es gebe extrem viele Synergien, gerade im Bereich Healthcare. Er könne sich vorstellen, dass der Bayer-Unternehmensteil Chemie nach einem Zusammenschluss abgestoßen werde. Wahrscheinlicher als eine feindliche Übernahme, von der der Platow-Brief berichtet hatte, sei aber eine Fusion. "Eine Übernahme würde einen Preiskrieg auslösen, der für Roche zu teuer wird", sagte Riester.

Nach Ansicht von Michael Butcher, Analyst von Merck Finck & Co, hat die Entwicklung neuer Strategien angesichts der Beibehaltung des "Vier-Säulen-Modells" auch einen Abwehrmechanismus. Bayer arbeitet in den vier Arbeitsgebieten, Gesundheit (inklusive Pharma), Landwirtschaft, Polymere und Chemie. Für einen Käufer, der nur an einzelnen Sparten interessiert sei, könne der Verkauf des Restes problematisch sein.

In diesem Jahr habe sich Bayer "ziemlich gut entwickelt", was sich auch im Aktienkurs widerspiegele, sagte Bayer-Sprecher Schade. Der Markt habe dies endlich honoriert. Der Bayer-Kurs stieg seit Juni diesen Jahres von seinem bisherigen Jahrestief von 38,52 Euro stetig an. Bayer hatte in den ersten neun Monaten getragen von der Gesundheitssparte seinen operativen Gewinn deutlich um 600 Millionen Euro auf 2,7 Milliarden Euro gesteigert. Bis zum Jahr 2004 will der Bayer-Konzern acht Milliarden Euro in deutsche Standorte investieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben