Wirtschaft : Pharmaindustrie: Spekulationen um Bayer-Arzneimittelsparte

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Einen Tag, nachdem Bayer-Chef Manfred Schneider den möglichen Verkauf seiner Pharma-Sparte angekündigt hat, blühen die Spekulationen um mögliche Käufer. Bankenkreisen zufolge ist der Schweizer Pharmakonzern Roche ein wahrscheinlicher Kandidat. Roche könne damit sein eigenes Geschäft neu beleben, hieß es. Ein Roche-Sprecher lehnte einen Kommentar dazu ab. Der Pharmaexperte einer Bank sagte, dass Bayer wegen der eventuell anstehenden Klagen sein Baycol-Geschäft entweder abtrennen oder lange genug warten müsse, bis ein Käufer die Schadenssumme besser einschätzen könne. "Das Geschäft mit Antibiotika und Herz-Kreislauf-Medikamenten läuft immer noch gut", sagte er.

Auch bei nicht verschreibungspflichtigen Arzneien sei Bayer stark vertreten, was zum Beispiel für Bristol-Myers ansprechend sei, sagte er weiter. "Der Konzern sucht einen starken europäischen Partner", sagte der Pharma-Analyst einer Bank, der diese Kombination für wahrscheinlich hält. Bristol-Myers ist in den letzten Monaten durch eine aggressive Expansionspolitik aufgefallen. Erst im vergangenen Sommer hatte der Konzern die Pharma-Sparte von DuPont übernommen. Den Schweizer Konzern Novartis, der ebenfalls als möglicher Interessent gehandelt wird, schloss der Analyst allerdings aus. "Novartis hat sich gerade an Roche beteiligt", sagte er. "Für eine Übernahme fehlt zurzeit das Geld."

Mehrere Analysten hielten einen Zusammenschluss für wahrscheinlicher als einen Verkauf des Pharmageschäfts. "Sie müssten auch eine Minderheitsbeteiligung akzeptieren, weil die meisten passenden Partner viel größer sind", sagte Commerzbank-Analyst Michael Vara. Themis Themistocleous von UBS Warburg äußerte die Einschätzung, dass Bayer für das Pharmageschäft mehr als 20 Milliarden Euro bekommen könnte.

Unterdessen hat die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) den Chemie- und Pharmakonzern Bayer heftig kritisiert. Der Verband warf dem Konzern vor, Apotheker und Ärzte zu spät über den Rückruf seines cholesterinsenkenden Medikaments Baycol/Lipobay informiert zu haben. ABDA-Präsident Hans-Günther Friese sagte am Dienstag in Berlin: "Wir bedauern außerordentlich, dass wir erst informiert wurden, nachdem die Aktionäre informiert wurden." Durch die verspätete Information seien Apotheker und Patienten erheblich verunsichert worden. Bayer hatte zuvor erklärt, auf Grund rechtlicher Vorschriften habe der Konzern zunächst die Finanzwelt informieren müssen.

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