Wirtschaft : Pharmaindustrie unter Preis-Druck

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Von Maren Peters

Die umstrittene Aut-Idem-Regelung, mit der Bundesgesundheitsministerin Schmidt die gestiegenen Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen zügeln wollte, beginnt Wirkung zu zeigen. Danach soll der Apotheker ein wirkstoffgleiches günstigeres Mittel als das vom Arzt verordnete verkaufen dürfen. Wenige Monate, nachdem das Gesetz in Kraft getreten ist, hat Aventis jetzt als erster Pharmakonzern angekündigt, die Preise von vier Medikamenten herabzusetzen. Andere Konzerne dürften bald folgen. Ihnen bleibt gar keine andere Wahl, wenn sie in den Apotheken weiter gegen die billige Nachahmerkonkurrenz bestehen wollen.

Die ansonsten wenig erfolgreiche Gesundheitsministerin hat erreicht, was sie wollte: Sie hat eine Kostenspirale nach unten in Gang gesetzt. Das ist gut für die Kassen, die künftig weniger Geld für Arzneimittel ausgeben müssen. Und auch gut für das Portemonnaie der Verbraucher, die damit vor einer erneuten flächendeckenden Anhebung ihrer Kassenbeiträge vorerst herumkommen dürften. Die Pharmakonzerne dagegen stellen sich auf eine neue Fusionswelle ein. Die war zwar ohnehin voraussehbar, wird jetzt aber durch die Politik beschleunigt. Denn die Branche hatte es in der Vergangenheit versäumt, neue umsatzstarke Arzneien auf den Markt zu bringen. Und steht jetzt durch Patentabläufe vieler Originalmedikamente unter großem Druck von Seiten der Generikahersteller. Um ihre bislang hohen Gewinnspannen zu halten, bleibt ihr nichts anderes übrig, als bei den Kosten zu sparen, die vor allem in Vertrieb und Marketing entstehen. Das wird den Trend zu Fusionen weiter beschleunigen. Davon profitiert - jedenfalls in Deutschland - der Verbraucher.

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