Wirtschaft : Pharmaindustrie: Urteil zu Prozac belastet Aktienkurse

kk/bef

Die Entscheidung eines US-Gerichts über einen früheren Patentablauf des Bestseller-Medikaments Prozac hat gestern die Aktienkurse führender Pharmahersteller unter Druck gesetzt. Das Berufungsgericht in Washington entschied, dass der US-Pharmakonzern Eli Lilly das Patent für sein Anti-Depressivum Prozac im Jahr 2001 verliert, fast drei Jahre eher als erwartet. Von 2001 an können somit auch andere Pharma-Unternehmen das als Glückspille bekannte Medikament auf den Markt bringen, das weltweit von 38 Millionen Menschen eingenommen wird und das bei Lilly derzeit ein Viertel des Gesamt-Umsatzes ausmacht. Die US-Börse wurde von der Entscheidung überrascht, der Aktienkurs von Lilly sackte um 30 Prozent ab.

Die Notierung des Konkurrenten Barr Laboratories Inc., der die Patentklage 1996 angestrengt hatte, legte dagegen 66 Prozent zu. Barr Laboratories ist ein Hersteller von Generika, den so genannten patentfreien Nachahmerprodukten. In dem Streit hatte Barr in erster Instanz verloren.

Zu den Verlierern zählten aber auch europäische Pharmakonzerne, die Produkte mit ähnlicher Therapieform anbieten. Das US-Urteil nährte unter den Anlegern die Befürchtung, die Patente dieser Konzerne könnten ebenfalls unter Druck geraten. Der Kurs von Glaxo Wellcome gab um rund zwei Prozent nach, Smithkline-Beecham-Aktien verloren 1,2 Prozent und die Titel von Astra-Zeneca gaben um 2,2 Prozent nach. Den höchsten Verlust musste der dänische Pharmakonzern H. Lundbeck hinnehmen, der ein direktes Konkurrenzprodukt zu Prozac herstellt. Lundbeck-Aktien stürzten um elf Prozent ab. Ein Sprecher von Glaxo Wellcome sagte, der Konzern sehe keine Bedrohung durch das Gerichtsurteil. Glaxos Antidepressivum Seroxat habe Patentschutz bis zum Jahr 2006.

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