Wirtschaft : Pharmakonzern Aventis mit Rekordgewinn

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Der deutsch-französische Pharmakonzern Aventis hat im Jahr 2001 einen deutlichen Gewinn gemacht und sich für die nächsten Jahre ehrgeizige Wachstumsziele verordnet. "Wir haben unsere Wachstumsziele deutlich nach oben korrigiert", sagte Aventis-Chef Jürgen Dormann bei der Vorlage der Bilanz am Mittwoch in Straßburg. Der Vorstand will der Hauptversammlung eine Dividende von 0,58 Euro je Aktie vorschlagen, kündigte Dormann an.

Aventis war 1999 aus der Fusion der deutschen Hoechst und der französischen Rhône-Poulenc hervorgegangen. Von dem ursprünglichen Life-Science-Konzept - also der Zusammenlegung von Pharma, Landwirtschaft und Chemie unter einem Dach - hatte sich der Aventis-Chef schnell wieder verabschiedet, da die erhofften Synergie-Effekte ausgeblieben waren. Schon im vergangenen Jahr hatte Dormann den Verkauf des Landwirtschaftsgeschäftes Crop Science sowie die Chemie-Töchter Messer Griesheim und Wacker angeschoben und konzentriert sich jetzt ganz auf das Kerngeschäft Pharma. Der Umbau soll voraussichtlich zu Beginn des zweiten Quartals - nach dem Abschluss der Verkäufe der Sparten Landwirtschaft und Tiernahrung - abgeschlossen sein.

Schon im Jahr 2001 wurde das Aventis-Geschäft deutlich vom Kerngeschäft Pharma getrieben. Insgesamt verbuchte das Unternehmen einen Umsatz von rund 22,9 Milliarden Euro - nur knapp drei Prozent mehr als im Vorjahr. Davon entfielen rund 17,7 Milliarden auf das Kerngeschäft Pharma. Der Konzerngewinn nach Steuern stieg auf rund 1,5 Milliarden Euro - nach einem Verlust von 147 Millionen Euro im Vorjahr. Wichtigster Absatzmarkt waren die USA, der attraktivste Pharmamarkt der Welt.

Die Analysten von ABN Amro sagten auf Anfrage, die Zahlen lägen über den Schätzungen des Hauses. Die starken Umsatzzahlen seien vor allem auf das Allergie-Mittel Allegra zurückzuführen, das inzwischen Blockbuster-Status erreicht habe, also einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar generiert. Der Kurs der Aventis-Aktie stieg bis zum späten Nachmittag um 4,44 Prozent auf 82,85 Euro.

Nicht nur der Markt, auch Aventis-Chef Dormann zeigte sich zufrieden. "Wir haben einen tiefgreifenden Strukturwandel erfolgreich vollzogen und gleichzeitig das Geschäft erheblich ausgebaut und profitabler gemacht." Sowohl beim Umsatz als auch beim Ertrag habe Aventis im vergangenen Jahr zu den am schnellsten wachsenden Pharmaunternehmen weltweit gezählt.

In Zukunft will sich Aventis noch stärker auf strategische Produkte, also die umsatzstärksten Medikamente konzentrieren. Dazu gehören neben Allegra vor allem das Thrombosemittel Lovenox und das Krebsmittel Taxotere. Allein mit diesen drei Arzneien erwirtschaftete Aventis einen Umsatz von 4,22 Milliarden Euro - und damit 18,4 Prozent des Konzernumsatzes. Mit Hilfe der umsatzstarken Medikamente will Aventis das hohe Wachstumstempo auch in den nächsten Jahren beibehalten: Bis 2004 erwartet Dormann ein durchschnittliches Wachstum von elf bis zwölf Prozent pro Jahr beim Umsatz und von 25 bis 30 Prozent beim Ertrag.

Allerdingst stellte Aventis das ehrgeizige Wachstumsziel unter den Vorbehalt, dass sich die Marktvoraussetzungen für den Blockbuster Allegra nicht wesentlich ändern. Um das Mittel ist in den USA ein Patentstreit entbrannt. Aventis will sich vor Gericht gegen billigere Generika, also Nachahmerprodukte schützen. Doch selbst bei einer Niederlage wäre das Risiko "kontrollierbar", hieß es im Unternehmen.

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