Wirtschaft : Philip Holzmann: Zahlreiche Klagen gegen den Bauriesen

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Ein regelrechtes Gewirr von Klagen umrankt derzeit den Frankfurter Bauriesen Philip Holzmann, der noch vor wenigen Monaten am Rande der Insolvenz stand.

Da klagt zum Beispiel das neue Holzmann-Management unter Vorsitz von Konrad Hinrichs gegen die ehemaligen Vorstände um Lothar Mayer und Heinrich Binder. Beiden wird Bilanzfälschung und Untreue vorgeworfen. Es geht um viel Geld. Bis zu 60 Millionen Mark will sich Holzmann von den Beschuldigten zurückholen. Ob und wann diese Klagen in einen Prozess münden, ist noch nicht absehbar. "Wir prüfen nach wie vor die Unterlagen, die weitere Strategie werden wir erst zum Jahresende festlegen", sagt Job Tilmann, Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Auch die Frage, ob und wieviel Geld am Ende fließen wird, ist offen. "Es gibt in diesem Bereich noch wenig Erfahrungen", erklärt der Mainzer Wirtschaftsanwalt Volker Hoffmann.

Nur bescheidene Erfolgsaussichten dürfte die jüngste Klage des Ex-Holzmann-Chefs Mayer gegen Binder und den DeutscheBank-Vorstand und langjährigen Holzmann-Aufsichtsrat Carl von Boehm-Bezing haben. Mayer wirft ihnen "schweren Betrug zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland" vor. Beide sollen mit falschen Tatsachen die Beihilfen von Bundeskanzler Gerhard Schröder erschlichen haben. Für Rechtsanwalt Hoffmann ein schwer nachzuvollziehender Vorwurf. Rechtsexperten befürchten deshalb kaum Auswirkungen auf eine Auszahlung der zugesagten BundesGelder.

Auch die Anteilseigner haben juristische Schritte eingeleitet. Allen voran der belgische Großaktionär Gevaert, der sich beim Kauf der Holzmann-Anteile nur unzureichend über das Risiko informiert fühlte. Seine vor wenigen Wochen eingereichte Klage richtet sich gegen Holzmann sowie dessen Großaktionär Deutsche Bank. Gevaert-Chef Andre Leysen fordert 323 Millionen Mark Schadenersatz. Auch hier wird die mögliche Eröffnung eines Verfahrens wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen. Gleiches gilt auch für den Antrag der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. auf eine Sonderprüfung der Holzmann-Zahlen, der vor vier Wochen beim Landgericht Frankfurt eingereicht wurde. "Das weitere Verfahren kann aber schon noch einige Zeit dauern", ist sich DSW-Sprecher Jürgen Kurz sicher.

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