Wirtschaft : Philip Morris kauft Nabisco: 19 Milliarden Dollar für den Lebensmittelkonzern

Der Konzentrationsprozess in der internationalen Lebensmittelindustrie hat am Wochenende einen neuen Höhepunkt erreicht. Der amerikanische Zigaretten- und Nahrungsmittelriese Philip Morris hat das Rennen um den großen US-Lebensmittelhersteller Nabisco Holdings gemacht. Philip Morris übernimmt Nabisco für 14,9 Milliarden Dollar (31 Milliarden Mark) in bar. Damit baut der Konzern seine Position als zweitgrößter Lebensmittelkonzern der Welt nach Nestle¿ weiter aus. Zählt man die Tabaksparte dazu, ist er sogar schon die Nummer eins.

Philip Morris will 55 Dollar je Aktie für die Nabisco Holdings bezahlen und zusätzlich vier Milliarden Dollar an Nabisco-Schulden übernehmen, teilte das Unternehmen mit. Der Gesamtwert der Transaktion beträgt damit 18,9 Milliarden Dollar. Die britische Cadbury Schweppes und die französische Groupe Danone, die ebenfalls für Nabisco geboten hatten, gehen leer aus.

Nach der Nabisco-Übernahme wird Philip Morris einen Konzernumsatz von 86,6 Milliarden Dollar haben. Nabisco soll mit der Philip Morris-Lebensmitteltochter Kraft Foods zusammengelegt werden. Kraft bringt es dann auf einen Umsatz von 34,9 Milliarden Dollar und einen operativen Gewinn von 5,5 Milliarden Dollar. Philip Morris verspricht sich durch die Zusammenlegung von Kraft und Nabisco bis 2003 jährliche Kosteneinsparungen von rund 600 Milllionen Dollar.

Kraft wird die profitabelste Nahrungsmittelfirma der Welt, betonte Philip Morris-Chef Geoffrey C. Bible. Kraft ist der weltgrößte Käsehersteller und verfügt außerdem über zahlreiche andere wichtige Lebensmittelprodukte, darunter Ketchup und Reis. Die Gesellschaft gewinnt durch den Nabisco-Kauf wichtige Marken wie Oreo-und Chips- Plätzchen, Ritz-Knabbergebäck, Planters-Nüsse und Life Savers-Drops hinzu. Die Übernahme wird auch ihre Marktposition in Europa, Asien und Lateinamerika erheblich stärken. Philip Morris will nach der Nabisco-Übernahme mit seiner Nahrungsmittelfirma Kraft an die Börse gehen. In einer Erstemission sollen weniger als 20 Prozent der fusionierten Lebensmittelfirma angeboten werden. Philip Morris will mit den Einnahmen aus dem Börsengang einen Teil der Schulden tilgen, die bei der Nabisco-Übernahme anfallen.

Die Konsolidierung in der internationalen Lebensmittelbranche geht mit dem Nabisco-Kauf rasant weiter. Die britisch-niederländische Unilever, der drittgrößte Nahrungsmittelkonzern der Welt, hatte erst kürzlich die Übernahme des US-Lebensmittelriesen Bestfoods für 20,3 Milliarden Dollar angekündigt.

Die amerikanische Zigarettenfirma R.J. Reynolds Tobacco Holdings wird zudem die Nabisco Group für insgesamt 9,8 Milliarden Dollar oder für 30 Dollar je Aktie übernehmen. Die Nabisco Group ist die Muttergesellschaft der Nabisco Holdings. Ihr einziger Vermögenswert ist eine 80,6-prozentige Beteiligung an der Nabisco-Lebensmittelfirma. Dieser wird an Philip Morris verkauft.

Durch den Verkauf des Anteils an der Nabisco-Lebensmittelgesellschaft wird die Nabisco Group 11,8 Milliarden Dollar in die Kasse bekommen. Reynolds wird somit durch die Übernahme der Nabisco Group nach Abzug aller Kosten netto 1,4 bis 1,5 Milliarden Dollar erhalten, teilte das Unternehmen mit. Die Unternehmens-Bilanz von Reynolds wird durch die jüngste Transaktion gestärkt. Auf das Unternehmen könnten Klagen amerikanischer Raucher zukommen. Die Zigarettenfirma Reynolds und die Nahrungsmittelfirma Nabisco waren früher zu dem Großkonzern RJR Nabisco verschmolzen, ehe dieser aufgespalten wurde. Reynolds wurde erst vor einem Jahr von der Holdinggesellschaft Nabisco Group abgetrennt.

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