Wirtschaft : Philip Morris muss Raucher mit Milliarden entschädigen

Zigarettenhersteller soll über Gefahren getäuscht haben

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Washi ngton / Berlin (dpa/Tsp). Der amerikanische Zigarettenkonzern Philip Morris soll 10,1 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) Schadenersatz zahlen, weil er Raucher über die Gefahren so genannter leichter Zigaretten getäuscht hat. Das entschied ein Richter am Freitag in Edwardsville im USBundesstaat Illinois. Nach einem Bericht der Wirtschaftsagentur Bloomberg forderte Richter Nicholas Byron den Konzern auf, 7,1 Milliarden Dollar Schadenersatz und drei Milliarden Dollar Strafe zu zahlen.

Es ist nicht die höchste und vermutlich auch nicht die letzte Strafe, die auf einen Tabakkonzern zukommt. Insgesamt 1,1 Millionen Raucher haben eine Sammelklage gegen Philip Morris eingereicht. Ähnliche Klagen laufen auch gegen R. J. Reynolds sowie Brown and Williamson (British American Tobacco). Auch die US-Regierung hatte bereits 1999 Klage gegen fünf US-Tabakkonzerne eingereicht, über die noch nicht entschieden ist. Die US-Regierung will von den Konzernen 289 Milliarden Dollar erstreiten. Die hohen Entschädigungen sind eine Eigenart des US-Rechts. Damit können Geschworenengerichte Unternehmen viel höher bestrafen, als dies wegen des tatsächlichen Schadens gerechtfertigt wäre. Das soll Firmen von künftigem Fehlverhalten abhalten.

Philip Morris war zuvor bereits von einem Richter in Miami (Florida) zu 74 Milliarden Dollar verurteilt worden und hat dagegen Berufung eingelegt. Eine Strafe von 28 Milliarden Dollar, die von einem Gericht in Los Angeles verhängt worden war, wurde im Dezember vergangenen Jahres auf 28 Millionen Dollar verringert. Der Richter hatte damals die Höhe des ursprünglich festgesetzten Schadenersatzes als „juristisch übertrieben“ bewertet. Trotzdem war es bis dato die höchste Summe, die je einem Kläger in einer Einzelklage zugesprochen worden war. Geklagt hatte die krebskranke Raucherin Betty Bullock. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Tabakkonzern Philip Morris zumindest für einen Teil der Krebserkrankung von Bullet verantwortlich war.

In der milliardenschweren Klage der US-Regierung wird den Tabakkonzernen vorgeworfen, sich beim Verkauf ihrer Produkte unzulässiger Praktiken bedient zu haben. Dabei seien der Nikotingehalt von Zigaretten manipuliert und Kunden über die Gesundheitsgefahren des Rauchens belogen worden. Auch Kinder seien Ziel von Werbekampagnen gewesen. Die Klage richtet sich gegen Philip Morris, R.J. Reynolds, Lorillard Tobacco, Brown and Williamson und die Liggett Group. Die Summe von 289 Milliarden Dollar errechnet sich aus den Einnahmen durch Verkäufe von Zigaretten an 30 Millionen Menschen, die seit 1954 vor ihrem 18. Geburtstag angefangen haben zu rauchen.

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