Wirtschaft : Philips baut Chipfabrik in Singapur

BRÜSSEL/DÜSSELDORF (sbe/gil/HB).Die Royal Philips Electronics N.V., Amsterdam, wird sich zu 48 Prozent an einem Joint-venture mit der Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) (32 Prozent) und der privaten Wirtschaftsförderungsgesellschaft EDB Investments (20 Prozent) aus Singapur beteiligen.Das Gemeinschaftsunternehmen plant eine Chipfabrik für insgesamt 1,2 Mrd.Dollar in Singapur.Der Bau soll Anfang 1999 beginnen.

Die Partner wollen die Fabrik zu etwa 60 Prozent selbst entsprechend ihren Beteiligungen und den Rest durch Kredite finanzieren, sagte Arthur van der Poel, Vorstandschef der Halbleitersparte von Philips.Das Werk soll in der zweiten Jahreshälfte 2000 in Betrieb gehen und 2003 die gesamte Produktionskapazität erreichen.Über die Kapazität kann Philips zu 60 Prozent und TSMC zu 40 Prozent verfügen.Es sollen Halbleiter für analoge und digitale Anwendungen produziert werden.

"Dieses Joint-venture ist eine sorgfältig bedachte, langfristige Investition in die Zukunft unserer Halbleitersparte, einer der zentralen Gewinnbringer der Philips-Gruppe", betonte van der Poel in Reaktion auf Bedenken, der Plan könne angesichts des Preisverfalls bei Bauelementen und Speicherchips infolge von Überkapazitäten verfrüht oder verfehlt sein."Wir leiden nicht so wie andere, weil wir keine Speicherchips bauen und bauen wollen.Philips konzentriert sich auf Halbleiter für Verbraucherprodukte und Telekommunikationsanwendungen - einem auch derzeit relativ stabilen Sektor." Gleichwohl sei die schon 1996 ins Auge gefaßte Großinvestitition bis jetzt verschoben worden."Unsere Studien zeigen, daß der Markt für Logik-Chips zu dem Zeitpunkt stark sein wird, wenn die Fabrik Ende 2000 in Betrieb geht." Sollte dies entgegen den Erwartungen nicht eintreten, könne das Joint-venture die Kapazität problemlos den Marktbedürfnissen anpassen.

In ähnlicher Weise hat Philips in diesem Jahr bei Halbleiterfabriken die Produktion heruntergefahren."Sie arbeiten trotzdem mit Gewinn." Die für den Gesamtkonzern angekündigte Gewinnstagnation gelte nicht für seine Sparte, sagte van der Poel."Die Marktumstände führen bei uns nur zu leicht niedrigeren, aber gleichwohl profitablen Margen." Noch 1997 war der Bereich Komponenten und Halbleiter die profitabelste Sparte des Philips-Konzerns.Bei einem Anteil von 19,6 Prozent am Umsatz stellte der Bereich 45,6 Prozent des Betriebsgewinns.Im ersten Halbjahr 1998 wies der Bereich Halbleiter einen Gewinn von einer Mrd.holländischen Gulden (hfl) aus bei einem gesamten Konzerngewinn von 1,85 Mrd.hfl.

In dem neuen Joint-venture, laut EDB Investment das elfte Chipwerk in Singapur, ist Philips vorrangig für das Management zuständig, die an der New Yorker Börse notierte TSMC für die Fertigungstechnologie.Philips, nach eigener Einschätzung Europas führender Halbleiterhersteller, hat TSMC 1987 mitgegründet und hält derzeit noch 27,6 Prozent an der den Angaben zufolge weltweit größten Gießerei für integrierte Schaltkreise.TSMC betreibt fünf Fabriken in Taiwan und eine in den USA und plant zwei weitere in Taiwan.Die regierungsnahe EDB Investment bringe als "stiller Investor" finanzielle Anreize ein und mache zusätzliche Größenvorteile möglich, hieß es.

Die Entscheidung zu der Großinvestition von Philips erstaunt zu einer Zeit, in der andere Konzerne über Preisverfall und Überkapazitäten klagen und reihenweise Werke schließen.Erst Anfang August hatte Siemens bekanntgegeben, seine erst vor einem Jahr eröffnete Chipfabrik in Nordengland zu schließen, da der Bereich Halbleiter im Konzern enorme Verluste einfährt.Die Japaner Mitsubishi, Fujitsu und Hitachi haben angekündigt, ihre Chipproduktion wegen des Preisverfalls drastisch zu drosseln.

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