Philips : Bestechung in großem Ausmaß

Beim niederländischen Elektronikkonzern Philips bahnt sich ein großer Korruptionsskandal an. Mitarbeiter sollen Einkäufer von Elektrofachmärkten mit privaten Geschenken bestochen haben.

Hamburg - Wegen des Verdachts auf Bestechung im großen Stil ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen 118 Beschäftigte des niederländischen Elektronikkonzerns Philips sowie von Handelsketten in Deutschland. Der Sprecher der Behörde, Rüdiger Bagger, bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Financial Times Deutschland". Nach seinen Angaben sollen leitende Mitarbeiter im Unternehmensbereich Elektronik und Haushaltsgeräte bei Philips die Einkäufer der Geschäfte mit saftigen Prämien dafür belohnt haben, dass sie Produkte des Konzerns bevorzugt bestellten. Der Elektronikhändler Media-Saturn gab zu, von den Ermittlungen betroffen zu sein.

Laut Oberstaatsanwalt Bagger wurden bereits Anfang Juli mehr als hundert Hausdurchsuchungen in 14 Bundesländern im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen ausgeführt. Von den Ermittlungen betroffen seien bei Philips nach derzeitigem Stand acht Mitarbeiter auf der Leitungsebene und 15 Beschäftigte im Außendienst. Zu den Ermittlungen gegen Mitarbeiter anderer Unternehmen wollte sich der Sprecher nicht genauer äußern. Nach seinen Angaben verschenkten die Philips-Mitarbeiter als Prämien unter anderem hochwertige Uhren im Wert von bis zu 2500 Euro, Gartenmöbel im Wert von 2200 Euro sowie Reisen, Schmuck, teure Anzüge, Tankgutscheine und Fahrzeugzubehör. Die verteilten Geschenke hätten einen Gesamtwert von rund 250.000 Euro gehabt.

Bestechung von Geschäftsführung angeordnet

Die Prämien seien auf "privater" Ebene direkt an Einkäufer vergeben worden, um sie für bestimmte Umsatzmengen von Philips-Produkten zu belohnen, sagte Bagger. Nach bisherigem Ermittlungsstand gebe es aber keine Hinweise darauf, dass die Geschäftsführungen der betroffenen Unternehmen von diesen Praktiken gewusst hätten. Die "FTD" berichtete indessen, ein ehemaliges Mitglied der Geschäftsführung von Philips Deutschland habe die Bestechungen zwischen 2000 und 2002 angeordnet, um den Absatz von Haushaltsgeräten anzukurbeln.

Einige der von den Ermittlungen betroffenen Philips-Mitarbeiter haben das Unternehmen inzwischen verlassen, wie ein Konzernsprecher der "Financial Times Deutschland" sagte. Dazu zähle auch der früher für Haushaltsgeräte zuständige Spartenchef. In den vergangenen Jahren sei es dem Konzern gelungen, den Skandal "unter der Decke zu halten", berichtete das Blatt unter Berufung auf Firmenkreise. Deswegen ermittle die Staatsanwaltschaft Hamburg erst seit vergangenem Mai.

Zahl der bestochenen Media-Saturn-Mitarbeiter unklar

Ohne Philips beim Namen zu nennen, bestätigte ein Sprecher der Media-Saturn-Holding (MSH), dass Mitarbeitern der Handelskette von einem der "großen Lieferanten" Prämien angeboten worden seien, "die an ein bestimmtes Auftragsvolumen gebunden waren". Wieviele Media-Saturn-Mitarbeiter diese Prämien bekamen, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen. Auf den Empfängerlisten stünden auch eine große Zahl "fingierter Namen, das heißt von Personen, die nachweislich nie Mitarbeiter eines Media Marktes oder eines Saturn-Marktes waren". Der MSH-Sprecher betonte, dass sein Unternehmen den Lieferanten derartige Praktiken zur Verkaufsförderung mehrfach untersagt habe. Media-Saturn habe den Ermittlern eine "umfassende Kooperation" angeboten.

Philips ist Europas größter Elektronikkonzern. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen rund 10.700 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Die Bestechungsvorwürfe gegen Philips sind bereits der zweite große Korruptionsskandal in der deutschen Wirtschaft innerhalb weniger Wochen. Im Juli war bekannt geworden, dass Mitarbeiter des französischen Autozulieferers Faurecia Einkaufsmananager deutscher Autokonzerne geschmiert haben sollen, um Aufträge zu ergattern. (tso/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben