Philips-Fernseher : ''Die Preise werden nicht weiter sinken''

Der Philips-Manager Henrik Köhler spricht mit dem Tagesspiegel über Ifa-Neuheiten und die Zukunft des Fernsehers. Dabei blickt er positiv in die Zukunft des Unternehmens.

Henrik Köhler
Henrik Köhler Deutschland wird weiterhin ein wichtiger Markt für Fernseher bleiben. -Foto: Promo

Herr Köhler, was wird es auf der Internationalen Funkausstellung im September Neues geben?

Wir zeigen, dass die Entwicklungsmöglichkeiten im TV-Bereich noch lange nicht ausgereizt sind. Zum Beispiel in der Bildqualität. Es gibt neue Möglichkeiten, Bilder auf Flachbildschirme zu projizieren. Das Ergebnis sind brillante Bilder, die sehr nah an der Realität sind. Die entsprechenden Geräte sind dann auch im Handel verfügbar. Aber es wird auf der Ifa in diesem Jahr nicht die durchschlagenden Neuheiten geben, wie wir das aus der Vergangenheit kannten.

Warum sollten die Besucher trotzdem kommen?

Es wird viele tolle Produkte geben, die den Effekt haben: Das muss ich unbedingt haben. Interessante Entwicklungen gibt es zum Beispiel beim Design. Wir zeigen Geräte, die den gehobenen Ansprüchen genügen, die die Konsumenten heute haben. Die ganz, ganz flachen Fernseher von heute erreichen fast den Effekt eines Bildes, das man an die Wand hängen kann.

Wie flach sind sie denn?

Sie sind mittlerweile weniger als fünf Zentimeter tief. Aber wir treiben nicht nur die Bildqualität voran, sondern auch den Ton, der dazu gehört.

Die Ifa zeigt zum ersten Mal auch Kühlschränke und Kaffeemaschinen. Passt das zusammen?

Wir finden, das ist eine sehr gelungene Kombination. Wir haben uns sehr genau damit befasst, was Konsumenten eigentlich wollen. Sie wollen Produkte kaufen, mit denen sie sich ihr Leben schöner und leichter machen können. Auch die Ifa hat erkannt, dass die Menschen nicht einfach nur Fernseher sehen, sondern vielmehr erleben wollen, wie man die Produkte im eigenen Lebensumfeld auch nutzen kann.

Viele Kunden kaufen sich vor großen Sportereignissen einen neuen Fernseher. Wird 2008 ein Spitzenjahr für Sie?

Große Fußballereignisse geben immer einen Impuls, eine Anschaffung früher zu machen oder ein Fernsehgerät gegen ein besseres auszutauschen. Das ist in 2008 wiederum der Fall gewesen. Die Erfahrung in der vergangenen Zeit zeigt aber, dass im Schnitt des Gesamtjahres nicht unbedingt mehr Geräte verkauft werden.

Sie erwarten also ein schwächeres Weihnachtsgeschäft, weil neue TV-Geräte schon im Mai oder Juni gekauft wurden?

Die ersten sechs Monate des Jahres sind in der Unterhaltungselektronik sehr gut gelaufen. Wir hatten ein starkes Marktwachstum, das geprägt war von den Flachbildschirmen. Dieses Wachstum wird sich im zweiten Halbjahr abschwächen. Insgesamt werden wir aber 2008 ein deutliches Wachstum gegenüber 2007 haben.

Die Branche erwartet für 2008 in Deutschland bei Fernsehern mit flachem LCD-Bildschirm ein Wachstum von 22 Prozent in der Stückzahl und elf Prozent beim Umsatz. Was erwarten Sie für Philips?

Ich glaube wir können den Markt übertreffen. Wir wollen in punkto Absatz und Umsatz zweistellig wachsen. Durch unsere Innovationskraft gelingt es uns, eine gewisse Preisstabilität zu erreichen.

Die deutschen Verbraucher sind allerdings nicht gerade in Kauflaune.

Das ist richtig. Wir erwarten, dass sich die Konsumenten sehr gut überlegen, wofür sie ihr Geld ausgeben werden. Deshalb ist es für uns wichtig, dass wir Produkte zur Verfügung stellen, die ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben. Wir wollen den Konsumenten darüber hinaus Produkte anbieten, die in Bezug auf Umweltverträglichkeit und Energieverbrauch führend im Markt sind.

Werden die Preise weiter sinken?

Das glaube ich nicht. Natürlich wird es immer Geräte auf dem Markt geben, bei denen der Handel preislich besonders attraktive Angebote macht. Das ist auch Prinzip unseres Geschäftes. Aber in den letzten 18 Wochen sehen wir eine relativ stabile Preisentwicklung am Markt. Wir erwarten nicht, dass sich das in naher Zukunft verändern wird. Wir bringen immer wieder Produkte mit besserer Ausstattung auf den Markt – letztendlich aber für das gleiche Geld. Das ist der Vorteil für den Konsumenten.

Wie schaffen Sie es, die Preise stabil zu halten bei den dramatisch gestiegenen Rohstoffpreisen?

In unseren Produkten steckt tatsächlich sehr viel von dem, was zuletzt stark im Preis gestiegen ist. Das treibt unsere Kosten. Über eine reine Reduzierung unserer Kosten in der Organisation können wir das nicht auffangen. Das heißt: Wir müssen durch intelligente Lösungen versuchen, dem Kunden Mehrwert anzubieten, so dass er bereit ist, mindestens das gleiche Geld oder sogar mehr auszugeben als in der Vergangenheit.

Es gibt Spekulationen, dass sich Philips vom Fernsehgeschäft trennt. In den USA haben Sie den Vertrieb abgegeben. Werden Sie auch in Zukunft Fernseher verkaufen?

Unser Ziel ist es, den Konzern absolut profitabel in die Zukunft zu führen. In den USA waren wir nicht profitabel, in Europa sind wir es und werden es bleiben. Es gibt also keinen Grund, hier auszusteigen. Das TV-Geschäft ist für Philips insgesamt ein ganz entscheidendes Geschäft. Für Deutschland gesprochen: Wir sind hier nicht nur im gesamten Bereich der Unterhaltungselektronik Marktführer, sondern auch bei den Fernsehern. Das wird auch in Zukunft so sein.

Henrik Köhler, 50, ist sei Mai der Leiter der Sparte Consumer Lifestyle für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Das Gespräch führte Corinna Visser.

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