Wirtschaft : Philips gibt weitere Grundig-Anteile ab

Niederländer wollen Bilanz von Gericht annullieren lassen

EINDHOVEN (rtr/jojo).Philips hat sein Engagement bei Grundig weiter heruntergefahren.Der niederländische Elektrokonzern hat 26,6 Prozent der Grundig-Anteile an eine Investorengruppe unter Führung der britischen Investmentbank Botts & Company verkauft.Die Briten besitzen damit 43 Prozent der Anteile an dem Fürther Unternehmen, nachdem sie bereits 16,4 Prozent von der Hohenstaufen Vierundvierzigste Vermögensverwaltung GmbH übernommen haben.Diese Aktien hatte die Familie Grundig unlängst an Hohenstaufen abgegeben.Philips hält nach einer Mitteilung vom Freitag noch 5 Prozent der Anteile.Die übrigen 52 Prozent besitzt die Grundig Stiftung. Die Londoner Bank Botts & Company hat den 43-Prozent-Anteil am defizitären Grundig-Konzern nach Angaben aus Branchenkreisen nur vorläufig übernommen.Es handele sich um eine reine Parkposition, verlautete am Freitag in München.Die Investorengruppe, die von Botts angeführt werde, bestehe nicht aus Industriellen.Englische Großanleger seien an der Übernahme von Grundig interessiert.Zu welcher Lösung es letztlich komme, sei noch offen.Botts & Company ist eine private Londoner Bank, die Anteile an zahlreichen Unternehmen in Großbritannien und auf dem europäischen Festland hält. Philips will darüber hinaus die Grundig-Bilanz von 1996 von einem Gericht annullieren lassen.Nach eigenen Angaben wurde mit der Grundig-Geschäftsführung keine Einigung über den noch zu zahlenden Betrag aus dem Verlust vom vergangenen Jahr erzielt.Grundig selbst hatte die Summe auf 671 Mill.DM beziffert, von denen die Niederländer 250 Mill.DM übernehmen sollen.Philips zweifelt den Verlust an, er sei durch überzogene Rückstellungen für zukünftige Vorhaben aufgebläht worden.Das Unternehmen beruft sich dabei auf einen Bericht der Unternehmensberatung Arthur Andersen.Grundig hatte Philips in den vergangenen Monaten mehrfach aufgefordert, den Jahresfehlbetrag zu tilgen und mit gerichtlichen Schritten gedroht. Philips hatte in der Vergangenheit mit 31 Prozent der Grundig-Anteile die Geschäftsleitung bei Grundig in der Hand.Vergangenes Jahr kündigte das Unternehmen den Rückzug an, nachdem jahrelange Sanierungsbemühungen gescheitert waren.Aufgrund seines Beherrschungsvertrages mußte Philips Grundig-Verluste von insgesamt rund 1,5 Mrd.DM bezahlen. Wenig Erfolg haben nach Philips-Angaben auch die Verhandlungen mit der Max Grundig Stiftung gehabt.Der Unternehmensvertrag sieht vor, daß die Stiftung im Jahr 2004 ihre 52prozentige Mehrheit bei Grundig an Philips verkaufen kann.Philips hat 1996 über 70 Mrd.DM Umsatz erzielt.

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