Wirtschaft : Philips: Unternehmen will massiv Stellen streichen

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Der niederländische Elektronikkonzern Philips NV hat am Dienstag nach starken Gewinneinbrüchen im ersten Quartal dieses Jahres einen drastischen Stellenabbau angekündigt. Das Unternehmen, das derzeit rund 220 000 Mitarbeiter beschäftigt, will weltweit 6000 bis 7000 Stellen streichen. Die Konzernführung in Amsterdam begründete ihre Entscheidung mit "ungünstigen Marktentwicklungen" und der nachlassenden Nachfrage auf dem Computer- und Telekommunikationsmarkt. Kurzfristig sei mit keiner Markterholung zu rechnen. Die Anleger an der Amsterdamer Euronext-Börse reagierten entsetzt auf die enttäuschenden Gewinnprognosen: Bis gegen Mittag hatte der Kurs von Philips am Dienstag um mehr als 11 Prozent nachgegeben.

Bereits vor Monatsfrist hatte Philips einen Gewinnrückgang für das erste Quartal angekündigt. Doch nur die wenigsten Analysten hatten vorab mit einem solch schlechten Ergebnis gerechnet. Statt des zuvor erwarteten Gewinnrückgangs von zehn Prozent sackte der Nettogewinn in den ersten drei Monaten dieses Jahres bei fast konstantem Umsatz mit 106 Millionen Euro auf weniger als ein Zehntel des Vorjahrergebnisses. Das Betriebsergebnis verringerte sich von 663 auf 332 Millionen Euro. Der Umsatz sank leicht von 8,33 Milliarden auf 8,21 Milliarden Euro. Verluste fuhren vor allem die Bereiche Verbraucherelektronik und Bauleiter ein, starke Einbrüche wurden in den USA und Kanada vermeldet. Nur bei den Haushaltsgeräten vermochte Philips deutlich verbesserte Ergebnisse zu erzielen.

Der Umsatz mit elektronischen Produkten für den Konsumgütermarkt sank um fünf Prozent auf 2,685 Milliarden Euro. Zwar wurden mehr Geräte abgesetzt, doch führte der Preiskampf zu geringeren Einnahmen. Der Bereich wies einen Verlust von 99 Millionen Euro aus, nach einem Plus von 83 Millionen Euro im Vorjahr.

Der Bereich elektronische Bauelemente verzeichnete im vergangenen Jahr einen Verlust von 77 Millionen Euro nach einem Gewinn von 100 Millionen Euro. Philips bekam dabei vor allem die rückläufige Nachfrage der PC- und Telekommunikationsindustrie zu spüren. Die Halbleiter wiesen zwar ein deutliches Umsatzplus von 16 Prozent auf, das Ergebnis verringerte sich aber um vier Prozent auf 231 Millionen Euro.

Der Bereich Beleuchtungen legte beim Umsatz um sechs Prozent auf 1,295 Milliarden Euro zu, das Ergebnis blieb mit 202 Millionen Euro etwa konstant. Die medizinischen Systeme wiesen ohne Neukonsolidierung ein Umsatzplus von sechs Prozent aus.

"Der Gewinn von Philips ist verschrumpelt", vermeldete bestürzt die Nachrichtenagentur anp. Auch die Hoffnung auf eine kurzfristige Besserung vermochte der Ende des Monats aus seinem Amt scheidende Vorstandschef Coor Boonstra den Anlegern kaum zu geben. Für das laufende Quartal rechnet der Konzern mit Verlusten, langfristig soll ein neuer Reorganisationsplan die enttäuschenden Ergebnisse in den Sparten Verbraucherelektronik und Bauelementen aufpolieren.

Noch ist undeutlich, an welchen Standorten der Stellenabbau realisiert werden soll. Überrascht reagierten die niederländischen Gewerkschaften auf das nun angekündigte Sanierungsprogramm. Es gebe "keinerlei Grund", Mitarbeiter auf die Straße zu setzen, ließ der christliche Gewerkschaftsbund CNV verlauten: Der Gewinn des vorigen Jahres und die Erwartung einer Konjunkturerholung würden unfreiwillige Entlassungen ausschließen. Auch niederländische Analysten warnten in ersten Reaktionen davor, das bescheidene Quartalsergebnis zu dramatisieren: Der relativ "begrenzte" Stellenabbau zeige, dass Philips mit einer Markterholung in absehbarer Zeit rechne.

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