Wirtschaft : Philips verkauft Chips wieder mit Gewinn

Überraschend hohes Quartalsergebnis bestätigt Hoffnung auf weltweite Erholung des Halbleitermarktes

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Berlin (pos/HB/pet). Der überraschend hohe Quartalsgewinn bei Europas drittgrößtem Chiphersteller Philips stärkt die Hoffnung auf eine weltweite Erholung des Halbleitermarktes. Philips hat in den ersten drei Monaten in allen seinen fünf Geschäftsbereichen schwarze Zahlen geschrieben – auch in der Chipsparte, wie das Unternehmen am Dienstag in Amsterdam mitteilte. Im vergangenen Jahr hatte der Elektronikkonzern noch Verluste in diesem Sektor geschrieben und die Sparte deutlich verkleinert.

Die guten PhilipsZahlen sind ein weiterer Hinweis darauf, dass der extrem zyklische Chipmarkt wieder anzieht – und der Aufschwung auf gutem Weg ist. Die Chipbranche gilt als Frühindikator für die Wirtschaft. Nach Auffassung des britischen Marktforschungsinstituts Future Horizons wird der Versorgungsengpass mit Halbleiterbauelementen noch deutlich bis ins Jahr 2005 hinein andauern. In seinem aktuellen Newsletter vom März sagt das Institut voraus, dass die globale Erholung der Wirtschaft, neue Produkte für den Endkundenmarkt und das Wiederanspringen der Investitionsneigung der Industrie in IT- und Telekommunikationsausrüstungen die Produktion elektronischer Güter antreiben werden. Auch der Branchenverband Semiconductor Industry Association (SIA) sagt für den Chipmarkt im laufenden Jahr ein Wachstum von knapp 20 Prozent voraus.

Weltweit agierende Unternehmen stützen den Optimismus durch ihre Bereitschaft, wieder in die Chipbranche zu investieren. Der japanische Elektronikkonzern Toshiba teilte am Dienstag mit, dass er gemeinsam mit dem US-Unternehmen San Disk 270 Milliarden Yen für den Aufbau einer Speicherchip-Fabrik in Japan steckt. In der neuen Produktionsstätte sollen 300-Millimeter-Wafer zum Einsatz kommen. Die Fertigung in der Anlage in Yokkaichi soll im zweiten Halbjahr des kommenden Fiskaljahres beginnen.

Steigende Chippreise

Der Philips-Konzern rechnet für das zweite Quartal auch mit steigenden Chip-Preisen. „Die Preisfindung bei den Halbleitern hat sich stabilisiert“, sagte Finanzvorstand Jan Hommen am Dienstag . Die Kapazitätsauslastung der Sparte sei im ersten Vierteljahr zum Vorquartal um sechs Prozentpunkte auf 90 Prozent gestiegen. Für die kommenden Monate geht Hommen von einem weiteren Anstieg aus. Der Umsatz in der Sparte werde gemessen in Dollar um mehr als ein Fünftel im Gesamtjahr wachsen, sagte Hommen und bekräftigte damit frühere Prognosen.

Im ersten Quartal erwirtschaftete die Halbleiter-Sparte von Philips einen operativen Gewinn von 75 Millionen Euro. Noch im Vorjahr hatte sie Verluste geschrieben.

Insgesamt erzielte Europas größter Hersteller von Konsumelektronik im ersten Quartal 2004 einen Reingewinn von 550 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte er noch 69 Millionen Euro verloren. Obwohl die Erwartungen der Analysten übertroffen wurden, verlor die Philips-Aktie nach der Vorlage der Zahlen. Der Grund: Ein Großteil der Gewinne entfällt auf das nicht konsolidierte Joint Venture für LCD-Flachbildschirme mit der koreanischen LG-Gruppe und einen Sonderertrag aus einer Beteiligung an einer Softwarefirma. Alleine das Ergebnis aus der LCD-Fertigung explodierte von minus 17 Millionen auf plus 215 Millionen Euro. Das waren nur drei Millionen Euro weniger als der operative Gewinn des Konzerns, der im Quartalsvergleich um 186 auf 218 Millionen Euro stieg. Der Umsatz zog um zwei Prozent auf 6,63 Milliarden Euro an.

Philips-Chef Gerard Kleisterlee erwartet jetzt für das Gesamtjahr ein Umsatzplus um fünf bis zehn Prozent und „schwarze Zahlen“. Philips hatte in den vergangenen Jahren hohe Verluste erlitten, massiv restrukturiert, beinahe 20 Prozent der Arbeitsplätze abgebaut und die Altersversorgung gekürzt. Die Pensionsaufwendungen sollen dieses Jahr alleine um 154 Millionen Euro niedriger ausfallen als 2003. In diesem Jahr will Kleisterlee wieder auf Wachstum umschalten: Als Umsatz- und Ertragsstütze gilt neben dem Halbleiterbereich auch die Unterhaltungselektronik.

Kleisterlee will den Verkauf von Flachbildschirmfernsehern der Marke Philips, DVD-Rekordern oder Settop-Boxen ankurbeln. Analysten zweifeln, ob das angesichts massiver Konkurrenz aus Asien schnell genug gelingen kann. Noch ist die Konsumelektronik ein Sorgenkind. Obwohl der Umsatz im Quartal um drei Prozent anstieg, blieb ein operatives Minus von zehn Millionen Euro. Erst Lizenzeinnahmen sorgten für ein Plus von 59 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal waren es 73 Millionen Euro.

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