Wirtschaft : Phillip Holzmann: Brüssel will auch neue Holzmann-Hilfe prüfen

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Noch vor einem Dreiviertel Jahr war der Kanzler König, zumindest für eine Nacht: Gerhard Schröder (SPD) ließ sich an einem kühlen Novemberabend Ende 1999 von den Holzmann-Arbeitern als Heilsbringer feiern, nachdem er dem strauchelnden Bauriesen staatliche Hilfe in Höhe von 250 Millionen Mark zugesagt hatte. Doch die Beschäftigten des Baukonzerns haben womöglich zu früh gejubelt: Noch immer prüft die Brüsseler EU-Kommission, ob das Geld überhaupt ausgezahlt werden darf. Das ist nur der Fall, wenn damit finanzielle Altlasten abgelöst werden. Ergeben sich aus dem laufenden Geschäft Verluste, sind Beihilfen tabu, weil sie nur das Siechtum eines kranken Unternehmens verlängern würden. Weil die Wettbewerbshüter in dieser Frage offenbar skeptisch sind, haben sie schon mehrfach zusätzliche Informationen von der Bundesregierung angefordert.

Besonders gute Karten scheint Holzmann dabei nicht zu haben. Selbst gegen die jüngste Finanzspritze aus Berlin in Höhe von 125 Millionen Mark scheint die Kommission Bedenken zu haben - gestern forderte sie von Berlin dazu nähere Angaben. Zuvor war sie einem Sprecher zufolge nicht über die Unterstützung informiert worden. Deutschland hatte sich bei diesem Kredit auf der sicheren Seite gewähnt, weil er zu marktüblichen Konditionen gewährt wurde. Das Geld war geflossen, nachdem Holzmann Bedarf an frischem Geld angemeldet hatte, um Auslandsinvestitionen finanzieren zu können. Experten sehen nun die Rettung des Unternehmens in Gefahr. Sollte Brüssel sämtliche Unterstützungszahlungen stoppen, könnte der Sanierungsplan Makulatur werden. Darin waren 150 Millionen Mark von der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau eingeplant; über 100 Millionen sollte der Bund zudem eine Ausfallbürgschaft übernehmen.

FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle hat den Kanzler wegen des Kredites kritisiert. Er sprach von "falscher Ordnungspolitik"; die Holzmann-Millionen verzerrten den Wettbewerb. Durch die Subventionen könne Holzmann Leistungen zu Dumpingpreisen anbieten; Mittelständler treibe dies an den Rand des Ruins.

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