Wirtschaft : Phillip Holzmann: Sanierung dauert länger als erwartet

ro

Vor allem der Streit um die Entlastung und Nicht-Entlastung von Ex-Aufsichtsratschef Carl vonBoehm-Bezing und Ex-Vorstandschef Heinrich Binder prägte die Hauptversammlung des angeschlagenen Baukonzerns Philipp Holzmann AG. Während die Entlastung von Binder und Ex-Finanzchef Rainer Klee wegen der noch laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen verschoben wurde, wurde Deutsche Bank-Vorstandsmitglied Boehm-Bezing von den Aktionären entlastet. Vor allem bei Kleinaktionären traf dies auf heftige Kritik. Zugleich forderten diverse Anteilseigner Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf, sich in Brüssel für die Genehmigung der zugesagten Bundeshilfen einzusetzen. Das jüngste 125 Millionen-Mark-Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sei offenbar ein Zeichen dafür, dass es bei Holzmann immer noch Probleme gebe.

Für die Entlastung von Binder und Klee sei es, so Vorstand und Aufsichtsrat, wegen der schwebenden Untersuchungen der Justiz noch zu früh. Wie gegen etliche andere ehemaliger Holzmann-Manager wird auch gegen Binder ermittelt, unter anderem wegen "schweren Betruges zum Nachteil der Bundesrepublik". Er soll die dramatische Lage des Unternehmens verschleiert und damit die Bundeshilfen erst nötig gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen dieses Vorwurfs auch gegen Boehm-Bezing. Gleichwohl wurde ihm die Entlastung nicht verweigert. Holzmann-Chef Konrad Hinrichs begründet dies damit, dass der Aufsichtsrat pflichtgemäß gehandelt habe. Mehrere Aktionäre kritisierten den Freibrief für Boehm-Bezing mit scharfen Worten. Auch er habe die Nicht-Entlastung verdient, sagte Klaus Nieding, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Bei den anstehenden Verfahren dürfe es nicht zu "wachsweichen Vergleichen" kommen. "Von Holzmann muss Signalwirkung ausgehen."

Diverse Aktionäre bezweifelten zudem, dass Holzmann schon wieder auf dem Weg nach oben sei. Jetzt sei Bundeskanzler Schröder gefordert. Er könne jetzt das tun, was er im November zur Rettung von Holzmann zugesagt habe. Der angeschlagene Baukonzern Holzmann wird, dies räumte denn auch Vorstandschef Konrad Hinrichs vor rund 250 Aktionären ein, nur mit Mühe in diesem Jahr das angestrebte positive Ergebnis erreichen. Grund sind unter anderem weitere Schwachstellen, die erst nach Beginn der Sanierungsarbeiten in ihrer Tragweite erkannt wurden. "Deshalb müssen wir bei der Restrukturierung noch an Tempo zulegen und über das ursprüngliche Konzept hinausgehende zusätzliche Maßnahmen umsetzen." Insgesamt aber gebe es Anzeichen, dass Holzmann "allmählich wieder seine Wettbewerbsfähigkeit steigert und dass die teils schmerzhaften Operationen das Unternehmen auf den richtigen Kurs bringen", sagte Hinrichs.

Aufgrund der weiter schwachen Baukonjunktur und Einbußen bei Tochterunternehmen musste Holzmann in den ersten vier Monaten noch Verluste hinnehmen. Im Juni und Juli habe es erstmals seit langem wieder leichte Gewinne gegeben, sagte Hinrichs. Insgesamt lag das Ergebnis im ersten Halbjahr um 54 Millionen Mark unter Plan. Der Verlust soll unter 100 Millionen Mark gelegen haben. Hinrichs selbst machte dazu keine Angaben. Für das gesamte Jahr peilt Holzmann einen operativen Gewinn von gut 50 Millionen Mark an.

Besonderen Dank richtete Hinrichs auf der Hauptversammlung an Kanzler Schröder, der in den letzten Tagen noch einmal versichert habe, Holzmann bei der Sanierung zu unterstützen. Ergebnis dieser Zusicherung ist offenbar das Darlehen über 125 Millionen Mark, das die bundeseigene KfW dem Baukonzern gewährt. Dieser Kredit hat laut Hinrichs nichts mit den beantragten Bundeshilfen in Höhe von insgesamt 250 Millionen Mark zu tun, die von der EU-Kommission noch genehmigt werden müssen.

"Erhebliche Schwierigkeiten" hat Holzmann laut Hinrichs immer noch mit einer Hauptniederlassung. Dabei geht es dem Vernehmen nach um Stuttgart, wo seit Jahren Verluste geschrieben werden. Dort seien in zuletzt "fundamentale strukturelle Mängel" sichtbar geworden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar