Wirtschaft : Phillips Petroleum und Conoco fusionieren

pf

Die beiden US-amerikanischen Mineralölgesellschaften Phillips Petroleum Co. und Conoco Inc. wollen sich im Zuge einer Transaktion im Gesamtwert von 15,2 Milliarden Dollar (umgerechnet 33,7 Milliarden Mark) zum drittgrößten amerikanischen und zum sechstgrößten Mineralölkonzern der Welt zusammenschließen. Die Transaktion wurde als "Fusion unter Gleichen" bezeichnet, obwohl Phillips eindeutig der stärkere Partner ist. Die fusionierte Gesellschaft wird als Phillips-Conoco mit Sitz in Houston firmieren. Es werden jährliche Kostenersparnisse von 750 Millionen Dollar erwartet.

Phillips hatte im Jahr 2000 rund 21,2 Milliarden Dollar umgesetzt und 1,8 Milliarden Dollar verdient. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr die Atlantic Richfield-Reserven in Alaska für rund sieben Milliarden Dollar geschluckt und kürzlich etwa die gleiche Summe für den amerikanischen Raffinierieriesen Tosco hingeblättert. Phillips hat 38 500 Beschäftigte.

Conoco hatte kürzlich den kanadischen Erdgas- und Energiekonzern Gulf Canada Resources für vier Milliarden Dollar geschluckt. Das Unternehmen setzte im vergangenen Jahr 39,3 Milliarden Dollar um und verdiente 1,9 Milliarden Dollar. Die Firma hat 20 000 Mitarbeiter.

Obwohl es sich um eine "Fusion unter Gleichen" handelt, werden die Phillips-Aktionäre den Konzern mit 57 Prozent der Aktien kontrollieren, hieß es. An den Schlusskursen vom Freitag gemessen sind Conoco 15,4 Milliarden Dollar und Phillips 19,8 Milliarden Dollar wert.

Energiekonzerne stehen wegen der Zusammenschlüsse von Exxon-Mobil und Chevron-Texaco unter wachsendem Konkurrenzdruck. Phillips und Conoco erklärten, die Fusion werde im Falle sinkender Rohölpreise die Finanzierung kostspieliger Projekte in Zentral-und Südostasien erleichtern. Seit Anfang dieses Jahres ist der Rohölpreis um 50 Prozent gefallen. Am Freitag kostete das Barrel Rohöl 18,37 Dollar, das war der niedrigste Preis seit zweieinhalb Jahren. Am Montag rutschte der Preis weiter nach unten. Ursache des Preisverfalls ist der Nachfragerückgang aufgrund der Konjunkturabkühlung und des rückläufigen Reisegeschäfts, das sich nach den Terrorattacken auf New York und Washington am 11. September verschärft hat. Die Ölnachfrage ist inzwischen so gering wie seit 17 Jahren nicht mehr. Außerdem wirkt sich der Streit unter den Ölförderländer um eine geschlossene Kürzung der Fördermenge auf den Marktpreis aus.

Der bisherige Chef von Phillips, James Mulva, wird Chef und CEO von Conoco-Phillips, und Conoco-Chef Archie Dunham wird Verwaltungsratsvorsitzender. Die Fusion soll im zweiten Halbjahr 2002 abgeschlossen werden. Die millionenschweren Einsparungen sollen durch die geplante Neuordnung der Explorations- und Produktionsbereiche sowie die Beseitigung überlappender Managementposten erzielt werden. "Der Zusammenschluss dieser beiden Ölgiganten lässt sich nicht vermeiden, wenn das Überleben beider Unternehmen in Oklahoma gewährleistet werden soll", sagte Oklahoma-Gouverneur Frank Keating.

Analysten rechnen mit einer Fortsetzung der Konsolidierung im Energiesektor. Die USX-Marathon Group Inc könnte als nächster Ölkonzern einen Deal bekannt geben. USX Corp, der führende US-Stahlhersteller, plant noch in diesem Jahr die Ausgliederung von Marathon, des mit acht Milliarden Dollar Börsenwert drittgrößte US-Ölkonzerns. Im September war Phillips nach der Übernahme von Tosco Corp für 8,37 Milliarden Dollar zum zweitgrößten US-Raffinerie-Unternehmen aufgestiegen.

Phillips und Conoco gehörten zu den Unternehmen, die voriges Jahr mit Saudiarabien Abkommen im Wert von 25 Milliarden Dollar zur Erschließung der Erdgasreserven des Königreichs geschlossen haben. Die anderen Partner sind Exxon-Mobil, Royal Dutch/Shell Group Plc und BP Plc. Mit diesem Abkommen würde die Wahrscheinlichkeit von Zusammenschlüsse europäischer Energiekonzerne zunehmen, meinten Analysten. J.J. Traynor, Analyst bei Deutsche Bank Securities, denkt vor allem an Repsol und Eni.

Nach der Fusion verfügt Conoco-Phillips über Reserven von 8,7 Milliarden Barrel Öl und Erdgas. Der Konzern wird in den USA, Kanada, der Nordsee, Venezuela, China, Indonesien, Vietnam, Russland und im Kaspischen Meer aktiv sein und 19 Raffinerien und 20 000 Tankstellen betreiben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben