Wirtschaft : Phoenix braucht noch starke Partner - im Gespräch ist Honda

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Mit der Stilllegung als einzige Alternative ist Phoenix nun der große Hoffnungsträger, "der die Basis für eine gesunde Zukunft Rovers legt" - so der Birminghamer Parlamentsabgeordnete Richard Burden. Das Phoenix-Konsortium wurde von dem früheren Rover-Produktionsdirektor John Towers gemeinsam mit Geschäftsfreunden für die Übernahme von Rover gegründet. Zu den Partnern zählen der Direktor der Chassis-Firma Mayflower, zwei Rover-Großhändler und die Motorsportgruppe Lola.

Während Towers bei der Rover-Belegschaft in Longbridge sofort als "Heiliger Georg" gefeiert wurde, der das Werk vor dem Verschlingen durch den "Alchemy-Profitdrachen" rettet, stieß er wegen der ungeklärten Finanzlage bei BMW und auch bei Teilen der britischen Presse zunächst auf starkes Misstrauen: Für die konservative "Times" waren seine "Motive so trübe wie seine Vorschläge". Der Durchbruch bei den Verhandlungen kam wohl nach der Zusage der US-Bank First Union, dem Phoenix-Konsortium das "Arbeitskapital" für die Weiterführung des Werkes zur Verfügung zu stellen. Dabei soll es sich nach britischen Presseinformationen um eine Summe von 200 Millionen Pfund, rund 650 Millionen Mark, handeln. Darüberhinaus hat Phoenix von BMW noch weitere 500 Millionen Pfund bekommen, um die Abfindungen für verlorene Arbeitsplätze zu zahlen.

Denn auch Phoenix kann nicht wie der sagenhafte Vogel das Rover-Werk vollkommen aus der Asche retten. Von den 9000 Arbeitsplätzen werden bei der Reorganisation etwa ein Sechstel verloren gehen. Die neuen Eigentümer wollen jedoch die gesamte Produktionspalette weiterführen und in Longbridge pro Jahr 200.000 Autos bauen. Um die Kapazität des Hauptwerkes voll auszuschöpfen, soll die Herstellung des Erfolgsmodells Rover 75 von Cowley bei Oxford nach Longbridge verlagert werden. Der britische Industrieminister Stephen Byers zeigte sich "hocherfreut" über das Abkommen und betonte, dass "Phoenix" dafür nicht um Regierungssubventionen gebeten hatte.

Doch das ist noch nicht gewiss. Tatsache bleibt, dass die alten Probleme mit der Übernahme nicht verschwinden. Der hohe Pfundkurs belastet das Exportgeschäft schwer, für das Rover die Hälfte seiner Autos produziert. Die veraltete Anlage von Longbridge brauche riesige Investitionen, sagte Mark Norman von der Forschungsgruppe CAP Motors. "Wenn Rover bei Investitionen und neuen Modellen einfach stehen bleibt, ist der Phoenix-Plan nur eine Galgenfrist", fügte er hinzu.

Towers erste große Herausforderung wird die Entscheidung sein, was die auslaufenden Rover-Modelle 25 und 45 ersetzen soll. Es wird erwartet, dass er dafür seine guten Beziehungen zu Honda aktiviert, die womöglich die Plattform und die Technologie der neuen Serien liefert. Dies könnte der erste Schritt zu einer weitergehenden Zusammenarbeit werden.

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