Wirtschaft : Pi mal Daumen oder doch der Euro-Rechner?

PETER HEIN

Das Schöne an der Weihnachtszeit ist, daß auch die Geschäfte, in denen ich als "guter Kunde" gelte, mich mit einer Kleinigkeit beglücken.Was richtig Tolles habe ich von meinem Versicherungsvertreter bekommen: einen Euro-Rechner.Wegen mir kann die Währungsunion kommen.Mit meinen kleinen elektronischen Freund bin ich gewappnet.Ich tippe zum Beispiel 1,39, die ich für den Liter Milch in DM bezahlt habe, in den Rechner ein, drücke die Taste mit dem Euro-Symbol, und prompt erscheint der Gegenwert in Euro.Na ja, zunächst einmal ist es natürlich nur der angenommene Gegenwert.Die genauen Umtauschkurse werden erst am 1.Januar festgelegt.Aber daran haben die Erfinder des kleinen Wunderwerks gedacht.Das Umtauschverhältnis kann ich neu eingeben.Wird wahrscheinlich sowieso bei 1,97 und irgendwas liegen - also bei etwa eins zu zwei.Diese Eselsbrücke werde ich mir dann doch bauen, auch wenn ich mich dabei etwas betrüge.Aber ich will ja nicht ständig mit dem Rechner in der Hand herumlaufen.Im Urlaub klappt das ja nach zwei, drei Tagen auch mit dem Umrechnen.In Italien zum Beispiel.Egal, ob der Kurs nun bei 1,02 oder 0,99 DM liegt, ich teile alle Preise durch 1000.Fertig.Und: Mit dem neuen Geld kann ich ab dem 1.Januar sowieso noch nicht bezahlen.Auf dem Preisschild finde ich dann neben dem D-Mark-Preis erst einmal spaßeshalber den Betrag in Euro.Ob der Händler nicht schummelt, kann ich dann mit meinem Rechner kontrollieren.

Meine Bank hat mir aber schon mitgeteilt, daß sie ihre Depotpreise im neuen Jahr in Euro berechnet.Früher hat sie dafür 30 DM verlangt, ab dem nächsten Jahr sind es: 15 Euro - eine Preissenkung! Auch die Banker haben also anscheinend keine Lust zu rechnen.Wenn ich es mir recht überlege: Das Geschenk von meinen Versicherungsvertreter ist eigentlich doch kein Knaller.Vielleicht lege ich es meiner Nichte unter den Weihnachtsbaum.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben