Wirtschaft : Piëch will mehr Marken unterm VW-Dach

FRANKFURT (MAIN) / HAMBURG / LONDON (rtr/dpa/AP).Die Volkswagen AG will nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Piëch in den kommenden Jahren weitere Automarken innerhalb des Konzerns anbieten."Ob bei Pkw oder Lkw - ich denke, daß wir in den kommenden zehn Jahren weitere Marken in unserem Konzern vereinen und dann über sechs PKW- und drei LKW-Marken verfügen", sagte Piëch einer Sonderveröffentlichung des Konzerns in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge.Derzeit gehören die Marken VW, Audi, Seat und Skoda zum Volkswagen-Konzern.

Piëch bekräftigte seine Pläne, künftig auch Luxusautos für das Marktsegment oberhalb der Konzernmarke Audi anzubieten."Ob aus eigener Kraft oder durch den Kauf entsprechender Marken - beides ist für uns denkbar", sagte Piëch.Auch schwere LKW wolle das Unternehmen künftig anbieten.VW hat sich ebenso wie BMW und eine private Bietergruppe um den Kauf des britischen Herstellers Rolls-Royce Motor Cars beworben.Zur wirtschaftlichen Situation sagte der Firmenchef, VW dürfe sich nicht mit dem Erreichten zufriedengeben."Wir müssen weiterhin große Anstrengungen unternehmen, um unser Renditeziel von über sechs Prozent zu erreichen".Den weltweiten Absatz wolle VW nach der Jahrtausendwende auf mehr als fünf Mill.Fahrzeuge von rund 4,3 Mill.im vergangenen Jahr steigern.

Der Aufsichtsrat von VW beriet am Mittwoch nachmittag in Hamburg über den Bau eines Geländewagens sowie die Errichtung eines neuen Werkes in Dresden.Beim sächsischen Wirtschaftsministerium hielt man sich hingegen bedeckt.Bisher gebe es in dieser Angelegenheit keinerlei Gespräche zwischen den Wirtschaftsministerium und VW hieß es.Es werde davon ausgegangen, daß es sich um eine noch nicht spruchreife Entscheidung handele.

Wie aus Unternehmenskreisen zu hören war, gilt die Zustimmung des Aufsichtsrates zum Geländewagenprojekt als sicher.VW will das Auto zusammen mit Porsche bauen.Berichten zufolge sind zwei Versionen geplant, eine teurere Porsche-Variante und eine billigere VW-Variante.

Bei der Aufsichtratssitzung ging es außerdem um Pläne von Piëch, ein neues Werk bei Dresden zu errichten, wo ein Luxusauto unter dem alten Markennamen Horch gebaut werden soll.Firmenkreise beurteilen die Stimmung für dieses Projekt als positiv, unabhängig davon, ob VW am Freitag bei der Vickers-Hauptversammlung den Zuschlag zu Übernahme von Rolls-Royce erhält oder nicht.Piëch versucht mit aller Macht, die Modellpalette des VW-Konzerns um Nobelwagen zu erweitern.Dazu hat VW ein Übernahmeangebot für Rolls-Royce und die dazugehörige Marke Bentley vorgelegt.Piëch hat angekündigt, zwei Nobelmarken aus eigener Kraft aufzubauen, falls der Kauf nicht klappt.Im Gespräch ist dazu die Marke Horch, ein Vorläufer von Audi.Auch die neben Audi und Seat vierte Konzernmarke Skoda soll aufgewertet werden, Skoda soll einen Achtzylinder bauen.

Beim Vickers-Konzern in London hieß es unterdessen, bis Dienstagabend sei noch kein weiteres Kaufangebot eingegangen, das über das bereits vom Vorstand akzeptierte VW-Angebot hinausgehe.Ein Sprecher des Konzerns bezog sich dabei auf Presseberichte, wonach eine Gruppe von Millionären vor der außerordentlichen Aktionärsversammlung an diesem Freitag noch ein höheres Angebot unterbreiten wolle.Die Millionärs-Gruppe, deren Mitglieder selbst Rolls-Royce-Wagen oder Bentleys fahren, wolle sicherstellen, daß die Firma britisch bleibe, hatte ein Anwalt angekündigt.Die Gruppe habe Zusagen von Institutionen und Einzelpersonen, die über 430 Mill.Pfund (1,27 Mrd.DM) hinausgehen, wie sie von VW geboten wurden, sagte er.

Vickers erwarte allerdings von VW bis Anfang Juli eine Zahlung von "460 bis 470 Mill.Pfund" (1,33 bis 1,36 Mrd.DM), sagte der Vickers-Sprecher.In der höheren Zahl sei die Wertsteigerung von Rolls-Royce in den ersten Monaten dieses Jahres enthalten, wie dies auch in dem VW-Angebot vorgesehen sei.Das VW-Angebot über 430 Mill.Pfund stelle den Stand von Dezember 1997 dar.

Falls die Millionärs-Gruppe doch noch ein höheres Angebot vorlegen und auf Unterstützung durch die Aktionäre stoßen sollte, würde dies den Zeitplan für den Verkauf sicher bis September oder Oktober verzögern, warnte der Vickers-Sprecher.Sein Konzern habe den Aktionären Auszahlungen von 282 Mill.Pfund (817,8 Mill.DM) für den Fall zugesagt, daß die bisherige Planung verwirklicht werde.Falls der Zeitplan verlängert werden müsse, bedeute dies auch Risiken.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben