Wirtschaft : Pierer bereitet seine Nachfolge vor

Siemens-Aufsichtsrat besetzt wichtigen Ressortposten neu – wer das Rennen macht, könnte bald Konzernchef sein

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München (nad). Bei der Aufsichtsratssitzung des Elektronikkonzerns Siemens an diesem Mittwoch wird der Vorstand eine wichtige Personalie bekannt geben. Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, soll der Führungsposten bei der Kommunikationssparte I&C, einer der drei wichtigsten Säulen im Konzern, neu besetzt werden. Ein SiemensSprecher wollte dazu am Dienstag keine Stellung nehmen.

Den kriselnden Kommunikationsbereich, zu dem das Mobilfunkgeschäft ICM, die Netzwerksparte ICN und der IT-Dienstleister SBS gehören, hatte Konzernchef Heinrich von Pierer im September nach dem altersbedingten Ausscheiden des langjährigen Vorstands Volker Jung selbst kommissarisch übernommen. Nun soll diese Übergangslösung offenbar schnell beendet werden. Als Favoriten für den wichtigen Posten des I&C-Zentralvorstands gelten ICN-Chef Thomas Ganswindt, ICM-Chef Rudi Lamprecht und der für das US-Geschäft zuständige Klaus Kleinfeld.

An der Berufung Ganswindts und Lamprechts gibt es konzernintern jedoch Zweifel. Bei der Vorstandssuche im Sommer hieß es, Ganswindt habe seine Hausaufgaben bei der defizitären Netzwerksparte noch nicht gemacht. Die Sparte kämpft noch immer mit der anhaltenden Krise in der Telekommunikations-Industrie. Lamprecht wurde vorgeworfen, dass er das Mobilfunkgeschäft nicht im Griff hat. Im letzten Quartal konnte Lamprecht den Handy-Verkauf allerdings deutlich ankurbeln. Auch Kleinfeld ist in einer guten Position, da er das schwierige US-Geschäft von Siemens in den vergangenen beiden Jahren erfolgreich restrukturiert hat.

Das Rennen um die I&C-Nachfolge wird im Konzern mit Spannung beobachtet, weil es als Vorentscheidung für die Nachfolge von Konzernchef von Pierer gilt. Neben den drei potenziellen I&C-Vorständen hat auch Konzernstratege Johannes Feldmayer gute Karten, auf den Chefsessel von Deutschlands größtem Elektronikkonzern nachzurücken.

Dass von Pierer Siemens bereits mit dem Auslaufen seines Vertrags im September nächsten Jahres den Rücken kehren wird, halten Branchenkenner für unwahrscheinlich. Sie gehen davon aus, dass der 63-Jährige seinen Vertrag um weitere zwei Jahre verlängern wird.

Bei der Vorlage der Zahlen für das Geschäftsjahr 2002/03 an diesem Donnerstag rechnen Analysten mit einem deutlichen Umsatzrückgang und einem Minus beim Gewinn von etwa sechs Prozent auf 2,45 Milliarden Euro. Die Festnetzsparte ICN, seit längerem das Sorgenkind des Konzerns, ist nach früheren Ankündigungen im vierten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt.

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