Wirtschaft : Pierer hat Hausverbot bei Siemens

München - Zwischen dem Münchner Technologiekonzern Siemens und seinem ehemaligen Vorstandschef Heinrich von Pierer werden die Messer gewetzt. Dem langjährigen Konzernboss und Aufsichtsratschef werde der Zugang zu seinem Büro verwehrt, bestätigte ein Firmensprecher auf Anfrage. Wenn er ins Haus wolle, müsse er sich am Empfang anmelden. Das gelte auch für zehn andere Ex-Topmanager, die der Konzern wegen des Milliardenskandals um schwarze Kassen mit einer Schadenersatzklage bedroht.

Von Pierer selbst empfindet das Vorgehen seines ehemaligen Arbeitgebers offenbar als Hausverbot und ist verbittert, heißt es aus seinem Umfeld. Im juristischen Sinne ist ein solches Verbot zwar nicht ausgesprochen. De facto ist der ehemalige Mister Siemens in der Konzernzentrale am Wittelsbacher Platz aber eine persona non grata. Das gilt vor allem, seitdem der Siemens-Aufsichtsrat Ende Juli beschlossen hat, elf frühere Spitzenmanager wegen ihrer möglichen Verfehlungen in Regress zu nehmen. Bei von Pierer bezieht sich das auf die Zeit als Vorstandschef. Mit der jetzigen Zugangssperre sollen die Fronten sichtbar klar gezogen und auch verhindert werden, dass Pierer & Co freien Zugang zu Siemens-internen Informationen erhalten, die Gegenstand der Klagevorbereitung gegen sie sind.

Wie Siemens am Freitag abend berichtete, hat das Unternehmen jetzt darüber hinaus aber noch Anhaltspunkte für mögliche Pflichtverletzungen von Pierers während seiner Zeit als Aufsichtsratschef. Von Pierer und sein Aufsichtsratskollege Karl-Hermann Baumann hätten zwischen 2003 und 2006 in Vorstandssitzungen von „wichtigen Tatsachen“ über die Einhaltung von Unternehmensregeln erfahren und diese Informationen nicht an den Prüfungsausschuss weitergeleitet, teilte der Siemens-Vorstand mit. Die anderen Aufsichtsratsmitglieder hätten ihre Pflichten dagegen „ordnungsgemäß und angemessen“ erfüllt. Der Vorstand hatte die Kanzlei Schilling, Zutt & Anschütz beauftragt, mögliche Pflichtverletzungen des Aufsichtsrates im Zusammenhang mit der Schmiergeld-Affäre zu untersuchen. tmh/dpa

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