Wirtschaft : Pillenversand zum Sondertarif

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Von Maren Peters

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will mit der Gesundheitsreform mehr als drei Milliarden Euro sparen. Einsparungen erhofft sie sich unter anderem durch die Zulassung des Versandhandels für Medikamente, der seit Anfang des Jahres auch in Deutschland legal ist. Doch während Pillenversender aus dem Ausland den Umsatz mit deutschen Kunden deutlich steigern, tun sich die deutschen Kollegen noch sehr schwer. Schuld daran ist auch die halbherzige Gesundheitsreform.

Warum sollten deutsche Patienten ihre Pillen in der Versandapotheke bestellen, wenn der Apotheker an der Ecke die Medikamente zum gleichen Preis ebenfalls nach Hause liefert? Deutsche Versandapotheker sind – ganz im Gegensatz zu ihren Kollegen jenseits der Grenze – an deutsche Festpreise und die neuen Zuzahlungsregelungen gebunden. Und Rabatte auf nicht rezeptpflichtige Medikamente kann inzwischen auch der Apotheker in seinem Geschäft geben. Wenn die Gesundheitsministerin den Versandhandel fördern will, muss sie Wettbewerbsvorteile für die neuen Anbieter ermöglichen. Stattdessen legt sie ihnen neue Steine in den Weg: Die Gesundheitskarte, die ab 2006 an jeden Versicherten verteilt werden soll, sieht ein integriertes elektronisches Rezept vor. Wenn das kommt, können Versand und Internetapotheken ihr Geschäft einstellen. Sie verschicken Medikamente nur gegen Vorlage eines Rezepts. Doch wer würde seine Gesundheitskarte durch die Gegend schicken, um seine Pillen zu bekommen? Genausowenig würde man seine Kreditkarte versenden, um an sein Geld zu kommen.

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