Wirtschaft : Piloten-Gewerkschaft kritisiert Air Berlin

Kurz vor dem Börsengang fordern die Piloten bessere Arbeitsbedingungen bei der Fluggesellschaft

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Berlin - Der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin droht vor dem geplanten Börsengang im Mai offenbar ein Konflikt mit ihren Piloten. Wie der „Spiegel“ vorab berichtete, sind inzwischen mehr als ein Drittel der rund 500 Konzernpiloten der Vereinigung Cockpit (VC) beigetreten. Sie wollten bessere Arbeitsbedingungen, einen Tarifvertrag und einen Betriebsrat durchsetzen und kritisierten, dass sie trotz Mehrarbeit bis zu 30 Prozent weniger Gehalt bekämen als bei anderen Airlines.

Die Namen der Gewerkschaftsmitglieder würden vertraulich behandelt, da Air-Berlin-Chef Joachim Hunold als erklärter Gewerkschaftsgegner gilt, hieß es in dem Bericht. Das Management weise die Vorwürfe zurück. Schließlich hätten auch viele Wettbewerber die Gehälter für neu eingestellte Piloten gekürzt und die Arbeitszeiten erhöht. Air Berlin habe keine Kenntnis über Beschwerden von Piloten über nicht zufrieden stellende Arbeitsbedingungen. „Es hat sich noch kein einziger Pilot bei uns beklagt“, sagte ein Sprecher. Das sei „reines Wunschdenken der Gewerkschaft“, sagte der Sprecher. Es gebe keinerlei Unruhe im Unternehmen und auch keine Forderungen nach Gründung einer Personalvertretung.

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold hatte sich immer wieder kritisch zu Gewerkschaften geäußert. Betriebsrat und Mitbestimmung seien etwas, was das Unternehmen nicht brauche. Beides würde Entscheidungen im Unternehmen wesentlich unflexibler machen, hatte er noch vergangenen Montagabend gesagt. Er nennt Gewerkschaftsvertreter „Betonköpfe“. Die Mitarbeiter werden von der regional verästelten Tochtergesellschaft „Crew Handling Services“ eingestellt – so umgeht Hunold die Mitbestimmung. Er ist überzeugt davon, dass seine Mitarbeiter zufrieden sind. Ohne zufriedene Mitarbeiter könne ein Unternehmen nicht erfolgreich sein, beteuert er immer wieder.

Seit der Ankunft der Billigflieger auch in Deutschland vor drei Jahren herrscht in der ganzen Branche Druck auf die Personalkosten. Das Einkommen, das die die Gewerkschaft dominierenden Lufthansa- Piloten erzielen, können viele Fluggesellschaften in dem scharfen europaweiten Wettbewerb nicht bieten. Gerade Air Berlin steht im direkten Konkurrenzkampf mit der irischen Ryanair sowie der britischen Easyjet. Die beiden Fluggesellschaften geben besonders wenig für Piloten und Stewardessen aus.

Air Berlin hat auch laut einem Bericht der Commerzbank, die Air Berlin an die Börse begleitet, keine Kursänderung vor. Darin steht, dass die Personalkosten auch in den kommenden Jahren konstant bei zehn Prozent liegen sollen. Im vergangenen Jahr hat Air Berlin einen Verlust von 116 Millionen Euro verzeichnet. fw/dpa

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