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Piloten-Streik : Lufthansa-Kunden müssen sich auf Ausfälle einstellen

Zwei Jahre lang haben Lufthansa und ihre Piloten ergebnislos verhandelt. Nun könnte es schnell zu Ausfällen im Flugverkehr kommen - frühestens jedoch in zwei Tagen.

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So nicht. Nach zweijährigen Verhandlungen wollen die Piloten der Lufthansa nun Ergebnisse sehen.
So nicht. Nach zweijährigen Verhandlungen wollen die Piloten der Lufthansa nun Ergebnisse sehen.Foto: dpa

Bei der Lufthansa gibt es Streik. In einer Urabstimmung haben sich die Piloten der Fluggesellschaft mit großer Mehrheit für Arbeitsniederlegungen ausgesprochen. Das teilte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit am Freitag in Frankfurt am Main mit.

Kunden der Lufthansa müssen sich in den kommenden Wochen also auf Verspätungen und Ausfälle einrichten. Einen genauen Termin nannte die Pilotengewerkschaft zunächst nicht. Lufthansa müsse sich ab sofort auf Arbeitskampfmaßnahmen einrichten, sagte VC-Tarifexpertin Ilona Ritter.

Man werde jeden Streik mindestens 48 Stunden vorher ankündigen, um den Kunden Gelegenheit zum Umplanen zu geben. Vom Unternehmen gab es zunächst keine Stellungnahme.

„Unser Wille ist es, die Osterferien nicht zu bestreiken“, sagte der Chef der Tarifkommission, Thomas von Sturm. Das könne sich aber im Fall einer aggressiven Reaktion der Lufthansa ändern.

Zehn Verhandlungsrunden verliefen ohne Ergebnis

Die 5400 Piloten verstärken damit den Druck im Tarifkonflikt mit der Kranich-Fluglinie. Sie kämpfen für mehr Geld und die Beibehaltung einer betriebsinternen Frührente.

Zehn Verhandlungsrunden über bald zwei Jahre haben nichts gebracht und deshalb die VC zum letzten Mittel greifen lassen. Der ist „bei uns schnell möglich“, hatte VC-Vorstandsmitglied Jörg Handwerg bereits im Vorfeld angekündigt. Dem Lufthansa-Management wirft er „eine fundamentale Verweigerungshaltung“ vor.

In den vergangenen zehn Jahren hätten die Piloten bei Tariferhöhungen „schlechter abgeschnitten als die anderen Arbeitnehmer in Deutschland“. Nicht einmal die Inflationsrate sei ausgeglichen worden. Nun ist man „stinksauer wegen der generellen Haltung, die der Vorstand einnimmt; die Piloten haben nicht das Gefühl der Wertschätzung“.

„Wir sind gesprächsbereit“, sagt Lufthansa-Sprecher Helmut Tolksdorf

Sie sind nicht nur erbost darüber, dass es bei den normalen Tarifverhandlungen nicht vorangeht, sondern vor allem über geplante Einschnitte beim vorzeitigen Renteneintritt und der betrieblichen Altersversorgung. Und beim Sparprogramm Score geht es Handwerg zufolge nur darum, „die Dividende zu steigern“. Tatsächlich gehörte die Lufthansa-Aktien in den vergangenen Wochen zu den stärksten Titeln im Dax. Das dürfte sich ändern, wenn wegen streikbedingter Flugausfälle Millionenverluste entstehen.

„Wir sind gesprächsbereit und an einer Lösung interessiert“, sagt Lufthansa-Sprecher Helmut Tolksdorf. Was das Gehalt angeht, hat der Konzern ein Angebot gemacht, das über mehrere Jahre Einmalzahlungen und prozentuale Erhöhungen vorsieht – allerdings auch gekoppelt an die Höhe des Betriebsergebnisses. „Das Angebot einer Erfolgsbeteiligung ist inakzeptabel, auch weil die Lufthansa immer mehr unternehmerisches Risiko auf uns abwälzen will“, sagt Handwerg dazu.

Die Gehälter der Piloten sind nicht schlecht: Ein Berufsanfänger steigt mit einem Jahresgehalt von 73.000 Euro ein und am Ende sind inklusive Zulagen 260.000 Euro möglich. Und dann gibt es da noch die Übergangsversorgung, eine spezifische Sonderleistung der Lufthansa zum vorzeitigen Ausstieg, und die betriebliche Altersversorgung. Allein für die zusätzliche Altersversorgung von Piloten und Kabinenpersonal hat das Unternehmen gut 1,6 Milliarden Euro zurückgelegt, für die Übergangsversorgung der Piloten sind es weitere 1,2 Milliarden.

Piloten fühlen sich betrogen

Beide Verträge hat das Unternehmen gekündigt. Natürlich um Geld zu sparen, aber auch, um die Piloten länger arbeiten zu lassen. Über viele Jahrzehnte mussten Piloten nämlich mit 60 ausscheiden; um das materiell abzusichern, wurde in den 60er Jahren die Übergangsversorgung geschaffen. Inzwischen hat sich die Rechtslage geändert, die Piloten dürfen bis 65 fliegen, so dass es aus Sicht des Unternehmens keine Notwendigkeit mehr gibt für diese Sonderleistung.

„Die Kollegen haben in den vergangenen Jahren die Übergangsversorgung als einen Teil ihres Gehalts verstanden und fühlen sich jetzt betrogen“, beschreibt Pilotensprecher Handwerg die Stimmung im Cockpit. Und tatsächlich sei die Übergangsversorgung der dickste Brocken in den Tarifverhandlungen. Zumal auch die Berufsunfähigkeit der Piloten mitversichert ist. Die gesundheitlichen Anforderungen an Piloten sind deutlich höher als in den meisten anderen Berufen, einmal im Jahr ist eine medizinische Untersuchung Pflicht, und wenn dabei zu Beispiel Diabetes festgestellt wird, darf der Betroffene nicht mehr fliegen.

Mithilfe der Übergangsversorgung, die rund die Hälfte des letzten Bruttogehalts ausmacht, kommt der Pilot dann halbwegs über die Runden. „Diese Versicherung soll es auch in Zukunft geben“, sagt Lufthansa-Sprecher Tolksdorf. Und überhaupt habe man die gesamte Übergangsversorgung trotz Kündigung bis 2016 verlängert. Sozusagen als Friedenssignal, um den Streik noch abzuwenden. Ob das angekommen ist, wird die Vereinigung Cockpit heute mitteilen.

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