Pilotenstreik : Cockpit will Spitzengespräch mit Lufthansa-Chef

Die Pilotenvereinigung Cockpit hat für Montag bis Donnerstag mehr als 4000 Lufthansa-Kapitäne und Co-Piloten zum Streik aufgerufen. Es wäre der größte Ausstand in der Geschichte der Fluglinie. Doch die Kritik an dem geplanten Ausstand wächst. Cockpit sucht nun ein Spitzengespräch mit Lufthansa-Vorstandschef Mayrhuber.

Frankfurt/MainDie Vereinigung Cockpit (VC) habe der Fluglinie Lufthansa ein entsprechendes Angebot unterbreitet, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg am Samstag. Es gebe "deutliche Missverständnisse" über die Forderungen der Piloten. Diese könnten nur in direktem Gespräch mit dem Konzernchef aufgeklärt werden.

Eine Sprecherin der Lufthansa sagte dazu, das Luftfahrtunternehmen habe mehrfach seine Gesprächsbereitschaft signalisiert. Dazu gehöre auch das Angebot, Gespräche auf Spitzenebene zu führen.

Ramsauer fordert neue Verhandlungen

Unterdessen wächst die Kritik am geplanten Streik der Lufthansa-Piloten: Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer forderte, den Streik in letzter Minute auf dem Verhandlungsweg zu verhindern. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sprach von einem "Irrweg" und rief dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Statt täglich insgesamt 1800 Flügen heben nach Planung der Lufthansa von Montag bis Donnerstag jeweils nur rund 1000 Flieger ab. Damit fallen in den vier Tagen insgesamt rund 3200 Flüge aus. In dem Konflikt geht es um Gehaltsforderungen, Arbeitsplatzsicherung und den Einfluss der Gewerkschaft auf die Konzernpolitik.

"Ein vernünftiger Kompromiss muss her", sagte Ramsauer der "Bild am Sonntag": "Ich appelliere deshalb eindringlich an die Vernunft der Verhandlungsführer von Lufthansa und Vereinigung Cockpit, noch vor Streikbeginn an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Keiner darf mit seinen Forderungen abheben." Hundt nannte den Streik in der "Welt am Sonntag" einen unzulässigen Eingriff in die Unternehmerfreiheit mit Konsequenzen weit über die Lufthansa hinaus. "Ich fordere die Vereinigung Cockpit auf, ihren gefährlichen Irrweg zu verlassen und sofort an den Verhandlungstisch zurückzukehren", sagte er der Zeitung.

Ein Cockpit-Sprecher sagte, derzeit gebe es keine neuen Gespräche mit der Lufthansa. Lufthansa habe konstruktive Vorschläge gemacht, um eine Einigung im Tarifkonflikt herbeizuführen, erklärte dagegen Konzernsprecher Andreas Bartels: "Wir sind auf die Vereinigung Cockpit zugegangen." Die Gewerkschaft habe das Angebot aber nicht angenommen.

VC-Sprecher Alexander Gerhard-Madjidi verteidigte den Arbeitskampf als verhältnismäßig: "Das ist alles juristisch überprüft. Wir wollen ein Zeichen setzen und zügig zu einer Lösung kommen."

Bahn und Autovermieter bereiten sich vor

Die Vorbereitungen der Fluggesellschaft, der Flughäfen und auch der Konkurrenten auf die Streiktage liefen bundesweit auf Hochtouren. Die Bahn stellt sich auf volle Züge auf den Hauptstrecken ein, während Autovermieter ihre Flotten auf die Flughäfen konzentrierten. Auch Lufthansa-Konkurrenten wie Ryanair oder Air Berlin warben um Umsteiger.

Der Streit dreht sich nach Angaben der Gewerkschaft vor allem um die Arbeitsplatzsicherheit der rund 4500 Piloten, die in den Geltungsbereich des Konzerntarifvertrags fallen. Sie verlangen einen vertraglichen Schutz vor der Verlagerung von Flügen in kostengünstigere Tochterfirmen des Konzerns. Die Lufthansa sieht darin einen Eingriff in ihre unternehmerische Freiheit und will nur über Jobgarantien für die bereits beschäftigten Piloten verhandeln.

Die Lufthansa bot den Kunden kulante Umbuchungsmöglichkeiten an. Die ebenfalls bestreikte Tochtergesellschaft Germanwings hat bereits angekündigt, an den vier Streiktagen rund 400 ihrer 600 geplanten Flüge zu absolvieren. Die Lufthansa will ihre Piloten aus dem Management einsetzen und wahrscheinlich in erster Linie die lukrativen Überseeverbindungen aufrechterhalten. (dpa)

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