Wirtschaft : Pilotenstreik: Die Flieger bleiben auf dem Boden

Alfons Frese

Muss denn das sein, fragen sich die Flugreisenden in der Wartehalle, dass ein Jumbo-Pilot künftig 600.000 Mark im Jahr bekommen soll und ein erster Offizier im Lufthansa-Cockpit sein Berufsleben mit 135 000 Mark beginnt? Nein, die Piloten spinnen, haben sich manche Passagiere gedacht, die am Mittwoch wegen eines Warnstreiks nicht pünktlich an ihr Reiseziel kamen. Es sieht ja auch so aus, als hätten die Lufthansa-Mitarbeiter jedes Maß verloren, Gehaltsaufschläge um mehr als 30 Prozent sind doch ziemlich ungewöhnlich. Übergeschnappt? Die Höhe der Entgelte verhandeln Lufthansa und die Pilotenvereinigung Cockpit, und wie immer wird am Ende ein Kompromiss stehen, der die Möglichkeiten des Unternehmens mit den Bedürfnissen der Piloten in Deckung bringt. Gewiss wird das nicht ein Plus von 30 Prozent sein. Auch deshalb nicht, weil die jetzt gehandelten Prozentzahlen das wirkliche Forderungsvolumen nicht wiedergeben, da die komplizierte Tarifstruktur insgesamt verändert werden soll - zum Beispiel dürften die Piloten künftig mehr Flugstunden im (höheren) Grundgehalt vergütet bekommen, dafür fallen weniger (bezahlte) Überstunden an. Doch abgesehen von den Feinheiten der Tarifstruktur: Die Piloten wollen erheblich mehr Geld. Und wann denn, wenn nicht jetzt: Die Lufthansa hat einen Rekordgewinn erwirtschaftet, die Sanierungsphase der 90er ist Geschichte, die Gehälter der Kapitäne sind in den letzten Jahren kaum gestiegen. Im Übrigen fehlen der Airline derzeit rund 100 Piloten - das hängt womöglich auch mit dem Verdienst zusammen.

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