Pilotenstreik : Lufthansa: Jetzt greifen die Chefs zum Knüppel

Beim Streik der Lufthansa-Piloten von Montag bis einschließlich Donnerstag fallen voraussichtlich zwei Drittel aller Flüge aus. Das Unternehmen hat Manager mit Pilotenlizenz verpflichtet, die ab Montag im Notflugplan fliegen.

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Parkposition. Zwei Drittel der Lufthansa-Flüge sollen gestrichen werden. -Foto: dpa

BerlinEin Ziel haben die streikbereiten Piloten der Lufthansa schon erreicht, bevor der Ausstand überhaupt begonnen hat: Der Druck auf Deutschlands größte Fluggesellschaft, eine Einigung in dem Tarifstreit zu finden, ist innerhalb weniger Tage enorm gestiegen: Der Imageschaden wächst stündlich mit dem Grad der Verunsicherung der Passagiere. Bis Freitag konnte keiner der rund 600 000 Fluggäste, die für die Tage Montag bis Donnerstag einen Lufthansa-Flug gebucht haben, sicher sein, dass sie fliegen können.

Den Angaben zufolge starten und landen am Montag in Tegel statt 70 Lufthansa-Flüge nur 28. Am Dienstag werde die Zahl auf 26 reduziert, am Mittwoch auf 20, am Donnerstag soll es 21 Flüge geben. Selbst die Ersatzflüge würden nur in kleiner Anzahl von „normalen“ Lufthansa-Maschinen absolviert, sagte der Sprecher. Einen Großteil stemmten Fremdfirmen. Der Sonderflugplan ist auf den Webseiten des Konzerns einsehbar.

Das war bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe gegen 18 Uhr aber nicht geschehen. Ein Sprecher teilte lediglich mit, dass zwei Drittel der täglich 1800 regulär geplanten Flüge ausfallen dürften. Um einen Notbetrieb auf den wichtigsten Strecken aufrechtzuerhalten, greift die Gesellschaft auf nicht streikende Piloten zurück, die üblicherweise nur ein bis zwei Flüge im Monat absolvieren und sonst mit Managementaufgaben befasst sind.

Ein Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) sagte dieser Zeitung, Lufthansa habe auch versucht, Piloten der konzerneigenen Gesellschaften Austrian Airlines (AUA) und Swiss für den Fall eines Streiks anzuwerben. Die Kollegen aus Österreich und der Schweiz hätten es aber abgelehnt, sich als Streikbrecher zu betätigen. Lufthansa wies diese Darstellung zurück. „Solche Anfragen hat es seitens der Lufthansa-Geschäftsführung nicht gegeben“, sagte eine Sprecherin.

Theoretisch möglich, aber teurer wäre es für die Lufthansa, ganze Flugzeuge samt Besatzungen anderer Fluggesellschaften zu chartern. Bei der AUA in Wien hieß es am Freitag, Lufthansa habe noch keine entsprechende Anfragen gestellt, „wenn die kämen, würden wir das aber sofort prüfen“, sagte eine Sprecherin. Die inhaltlich gleiche Aussage kam am Freitag von der konkurrierenden Gesellschaft Air Berlin, der Nummer Zwei auf dem deutschen Markt.

Lufthansas eigene Billigfluggesellschaft Germanwings, die die Gewerkschaft ebenfalls bestreiken will, könnte relativ glimpflich davonkommen, da nur eine Minderheit der Piloten dort in der Gewerkschaft organisiert ist. Auch Germanwings präsentierte einen Notfallplan, demzufolge rund 400 der 600 geplanten Flüge absolviert werden sollen.

Bei der Lufthansa vertrat man derweil weiter die Auffassung, dass der Streik nicht angemessen sei. Er könnte die Airline rund 100 Millionen Euro täglich kosten. Die Gewerkschaft, in der rund 4000 der 6500 Piloten organisiert sind, hält ihn dagegen für angemessen und legal. „Das ist alles juristisch überprüft. Wir wollen ein Zeichen setzen und zügig zu einer Lösung kommen“, sagte VC-Sprecher Alexander Gerhard-Madjidi. Er forderte den Konzern auf, nach einem Jahr Verhandlungen endlich ein Angebot vorzulegen. Die Piloten seien jederzeit in der Lage, weitere Eskalationsschritte zu unternehmen, drohte er. Eine Lufthansa-Sprecherin betonte die Gesprächsbereitschaft des Managements. Gerhard-Madjidi sagte jedoch, dass seine Gewerkschaft nicht auf „Scheinangebote“ einlassen werde.

Von dem Streik dürften alle großen deutschen Flughäfen betroffen sein, in Berlin auch das Lufthansa-Ziel Tegel und in geringerem Maße auch Schönefeld, wo Germanwings stationiert ist. Auch im größten Flughafen Frankfurt am Main bereitetete man sich auf den Ausnahmezustand vor. Der Flughafen wollte zusätzliches Personal einstellen, um das erwartete Chaos abzuwenden.

Erste kritische Stimmen zu dem Streik kamen zudem aus der Politik. „Es kann nicht sein, dass die zahlende Kundschaft die Folgen betriebsinterner Arbeitskämpfe ausbaden muss. Die Lufthansa hat die Pflicht dafür zu sorgen, dass der Schaden für die Fluggäste möglichst gering gehalten wird“, sagte zum Beispiel Erik Schweickert, der verbraucherschutzpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.

Sonderseite für betroffene Fluggäste

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