Wirtschaft : Pin AG fühlt sich von der Post behindert

Privater Briefzusteller hält Regulierung nicht für neutral

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Berlin (hop). Der größte private Konkurrent der Deutschen Post, die Berliner Pin AG, wirft dem Konzern erhebliche Behinderungen vor. „Die wollen uns platt machen“, sagte Bernhard Klapproth, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens, am Dienstag bei einem Pressegespräch. Es gebe immer wieder erhebliche Verzögerungen bei der Beförderung von Briefen, die die Pin der Post zur überregionalen Auslieferung übergeben müsse. Außerdem versuche die Post sein Unternehmen immer wieder durch Klagen – etwa gegen die Verwendung des Namens „Post“ als Markenbestandteil – zu hemmen, sagte Klapproth. „Allein in diesem Jahr haben wir 250000 Euro für Anwälte und Prozesse zurückgelegt.“

Die Pin AG wurde 1999 gegründet. Sie ist vor allem in der Region BerlinBrandenburg und in Leipzig tätig. Weil der Postmarkt in Deutschland weiter stark reguliert und Briefdienstleistungen nur in geringem Maß liberalisiert sind, ist eine bundesweite Ausdehnung nicht möglich. In Berlin arbeiten mittlerweile 800 Menschen für die Pin. Der Umsatz lag 2003 laut Klapproth bei 24 Millionen Euro. In diesem Jahr sollen es 34 Millionen Euro werden. Seit 2003 schreibt die Pin auch schwarze Zahlen. Mit etwa 230000 Sendungen pro Tag ist Pin bundesweit der größte private Konkurrent der Deutschen Post. Die WAZ-Gruppe im Ruhrgebiet, der zweitgrößte private Briefdienstleister, kommt auf etwas mehr als 100000 Sendungen.

Klapproth warf der Politik vor, die Post nicht neutral zu regulieren. Die Bundesregierung schaue offenbar nur auf die Dividende, die die Post durch ihre Monopolgewinne ausschütten könne. Außerdem deute einiges darauf hin, dass die Exklusivlizenz der Post für den größten Teil des deutschen Briefmarktes nach dem Auslaufen Ende 2007 noch einmal bis 2009 verlängert werden soll, weil sich die europaweite Liberalisierung der Briefdienstleistungen verzögere.

Die Pin will trotzdem in den nächsten Jahren stark expandieren. Im vergangenen Herbst hat sie sich mit fünf kleineren privaten Briefdienstleistern aus der Region Berlin-Brandenburg zu einem Verein zusammengeschlossen. Dadurch könne jetzt das Gebiet komplett bedient werden, sagte Marketingvorstand Uwe Werner. Bis Jahresende soll dann ganz Ostdeutschland abgedeckt werden.

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