Wirtschaft : Pin-Sanierer startet mit Kassensturz

Düsseldorf/Berlin - Der am Mittwoch als neuer Pin-Chef eingesetzte Sanierungsexperte Horst Piepenburg will seine Arbeit bei dem angeschlagenen Briefzusteller mit einem Kassensturz beginnen. An diesem Freitag soll ein Zwischenergebnis vorliegen. Daraus wolle man erste Schlussfolgerungen ziehen, sagte ein Sprecher Piepenburgs am Donnerstag. „Die Leute sollen vor Weihnachten erfahren, wie es weitergeht“, sagte der Sprecher. Bei der Pin Group sind rund 9000 Menschen beschäftigt, davon mehr als 1000 in Berlin. Das Unternehmen war in Schwierigkeiten geraten, nachdem der Medienkonzern Axel Springer als Hauptgesellschafter beschlossen hatte, nach dem Mindestlohnbeschluss im Bundestag kein weiteres Geld mehr zur Verfügung zu stellen.

Springer hatte den Zuschussbedarf für das Unternehmen auf 300 bis 700 Millionen Euro beziffert. Der Sprecher Piepenburgs wollte keine Angaben dazu machen, woher das neue Geld kommen soll. „Wir müssen den Kassensturz und Herrn Piepenburgs Pläne abwarten“, sagte er. Auch ein Sprecher des WAZ-Medienkonzerns – der wie der Holtzbrinck-Verlag, zu dem der Tagesspiegel gehört, Minderheitsanteile hält – wollte sich nicht äußern.

Die Situation von Pin wird erschwert, weil nach Angaben der Anteilseigner mehrere Großkunden in den vergangenen Wochen zur Post zurückgewechselt seien. Grund war laut einer gemeinsamen Mitteilung der Verlage vom Mittwoch eine Portosenkung der Post für diese Kunden. Das Magazin „Focus“ sprach am Donnerstag von 50 öffentlichen Kunden mit einem Jahresumsatz von 30 Millionen Euro, die seit September von Pin zur Post gewechselt seien. In Berlin dagegen will der Senat, der zu den größten Pin-Kunden in der Hauptstadt zählt, seinen Briefzusteller behalten. „Bei uns gibt es keine Überbelegungen, den Vertrag mit Pin aufzulösen“, sagte ein Sprecher dieser Zeitung. dpa/ysh

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