Wirtschaft : Pischetsrieder setzt auf sich

VW-Vorstandschef will seinen Posten behalten und die Sanierung fortsetzen / Erstmals Gehalt offen gelegt: 2,8 Millionen Euro

Alfons Frese

Wolfsburg - VW-Chef Bernd Pischetsrieder will im Amt bleiben. „Ich möchte den Konzern gemeinsam mit den Kollegen zum Erfolg führen und die beschlossenen Programme umsetzen“, sagte Pischetsrieder am Dienstag in Wolfsburg bei der Vorlage der Bilanz 2005. Der Vorstandsvorsitzende reagierte damit auf Äußerungen seines Vorgängers und jetzigen Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch, der in der vergangenen Woche eine Vertragsverlängerung Pischetsrieders in Zweifel gezogen hatte, weil die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat womöglich dagegen seien. Pischetsrieder sagte dazu, „man kann ein Unternehmen nur mit und nicht gegen die Mitarbeiter führen“.

Einen Rücktritt wegen der Misstrauenserklärung Piëchs lehnte er ab. „Piëch hat doch gesagt, er werde (im Aufsichtsrat) für mich stimmen. Warum sollte ich da zurücktreten?“ Seit den Interviewäußerungen Piëchs habe er viermal mit ihm gesprochen, sagte Pischetsrieder, zweimal persönlich und zweimal am Telefon. Allerdings nicht in eigener Sache.

Trotz der Turbulenzen an der Spitze sieht der Vorstandsvorsitzende Europas größten Autohersteller auf gutem Wege. „Niemand hier am Tisch hat das Gefühl, dass Volkswagen unregierbar ist.“ Am Tisch saß auch Martin Winterkorn, Chef der Markengruppe Audi, Piëch-Vertrauter und möglicher Nachfolger Pischetsrieders. Der Konzernchef sprach Winterkorn direkt an und sagte: „Das Ziel, das Sie bei Audi erreicht haben, ist wichtiger, als die kolportierten Unstimmigkeiten.“ Ob der Vertrag von Pischetsrieder, der im März nächsten Jahres ausläuft, verlängert wird, will der VW-Aufsichtsrat in einer Sitzung am 20. April entscheiden.

Neben der Zukunft Pischetsrieders stand das Restrukturierungsprogramm für die Marke VW im Mittelpunkt der Jahrespressekonferenz. Erstmals trat Personalvorstand Horst Neumann auf, der als Nachfolger des zurückgetretenen Peter Hartz nach Wolfsburg gekommen war. „Wettbewerbsfähige Arbeitsplätze sind der Schlüsselbegriff“, sagte der Personalchef, der viele Jahre für die IG Metall gearbeitet hatte. „Ohne eine Restrukturierung insbesondere der traditionellen Werke wäre ein langfristig zukunftsfähiger Volkswagen-Konzern undenkbar.“ Zwar garantiere der Tarifvertrag die rund 100 000 Arbeitsplätze in den sechs westdeutschen Werken, doch „dieses Ziel müssen wir uns erst noch erarbeiten“.

Die Restrukturierung wird nach Angaben des Vorstands in den nächsten drei Jahren 20 000 Arbeitsplätze betreffen. Wie viele davon wegfallen, wird derzeit mit dem Betriebsrat verhandelt. Zur Disposition stehen vor allem Stellen in Wolfsburg sowie in den Komponentenwerken Braunschweig, Hannover und Kassel. Sowohl Pischetsrieder als auch VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard betonten, dass kein Komponentenwerk komplett geschlossen werde.

Vor allem das „unbefriedigende Ergebnis“ (Pischetsrieder) der Kernmarke VW prägte das Geschäftsjahr 2005. Ohne die erfolgreichen Tochtergesellschaften (zum Beispiel VW in Bratislava oder die tschechische Tochter Skoda) hätte die Markengruppe VW nur ein „Nullergebnis“ erreicht, während die Markengruppe Audi (Audi, Seat, Lamborghini) prächtig verdiente. Über das laufende Jahr äußerte sich Pischetsrieder verhalten optimistisch. Absatz und Ergebnis sollen über dem Vorjahr liegen. Für 2008 bleibt der Konzernchef bei dem Ziel eines Konzernergebnisses vor Steuern von 5,1 Milliarden Euro, das wäre dreimal so viel wie 2005. Das Ziel sei aber nur erreichbar, „wenn wir uns einig sind“.

Erstmals legte Volkswagen die Vorstands- und Aufsichtsratsvergütungen für 2005 vor. Danach bekam Pischetsrieder 2,83 Millionen Euro, zwei Millionen davon als variabler Gehaltsbestandteil (Aktienoptionen). Audi-Chef Winterkorn kam auf 1,79 Millionen Euro, der zurückgetretene Peter Hartz auf 933 000 Euro. Piëch erhielt 270 000 Euro.

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