Wirtschaft : Pixelpark: Das Modell Pixelpark

Kerstin Kohlenberg

Ein bisschen Schadenfreude war auch dabei. Denn als die Mitarbeiter von Pixelpark ankündigten, dass sie über einen Betriebsrat nachdenken, da riefen alle, die das Wunder New Economy staunend beobachtet hatten: Die New Economy wird alt! Da versuchten blutjunge Unternehmer jahrelang ihren reifen Kollegen aus der Old Economy weiss zu machen, dass Unternehmensführung doch ein Kinderspiel sei. Dass es das Konfliktpaar Arbeitgeber / Arbeitnehmer gar nicht gebe, dass man seine Mitarbeiter gar nicht zwingen muss, acht Stunden zu arbeiten, weil sie freiwillig auch zwölf arbeiten, und dass Geld nicht das wichtigste an der Arbeit ist, sondern der Spaß. Dass die Menschen bei Pixelpark in der Krise nun doch anfangen, sich wie normale Arbeitnehmer zu verhalten und einen Betriebsrat gründen, das beruhigt - sowohl die Old Economy, als auch die Gewerkschaften. Denn jetzt muss man sich doch keine Gedanken über neue Organisationsformen machen und kann die alten Kategorien von Chef und Untergebenen beibehalten. Dabei hat sich doch etwas geändert in der Kultur der neuen Firmen. Und das ist der Verlust an Respekt vor der Macht. Denn die Leute, die in der New Economy arbeiten, haben in der Regel eine ähnlich gute Ausbildung, haben studiert oder selbst schon mal eine Firma gehabt. Sie gehören zur so genannten Wissenselite. Das hat zur Folge, dass die Kommunikation und das Verständnis für andere Positionen besser ist. Es wäre schade, wenn dieser Vorteil der New Economy die erste Krise nicht überleben würde. Die jungen Firmen müssen lernen, mit ihren Betriebsräten einen Interessenausgleich zu organisieren und dabei ihre Kommunikationsfähigkeit zu bewahren.

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