PKW-Absatz : Deutscher Markt bereitet Autokonzernen Sorgen

Auf dem deutschen Markt werden immer weniger Autos verkauft. Während die Hersteller im Ausland Erfolge feiern, leidet der hiesige Absatz noch unter dem Mehrwertsteuerloch und dem schwachen Privatkonsum. Auch die Aussichten für das kommende Jahr sehen eher schlecht aus.

Automarkt
Auch bei Merdes-Benz rollt der Verkauf von Neuwagen in diesem Jahr nicht mehr an. -Foto: ddp

Frankfurt/MainDie deutschen Autofahrer haben in diesem Jahr trotz des Aufschwungs deutlich weniger Neuwagen gekauft. Die Zulassungen dürften 2007 um neun Prozent auf etwa 3,16 Millionen Autos zurückgehen, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann. Schuld seien die Erhöhung der Mehrwertsteuer, die kräftig gestiegenen Spritpreise und die Verunsicherung der Verbraucher über die künftige Ausgestaltung der Kfz-Steuer. Schon in den vergangenen beiden Jahren war der Autoverkauf in Deutschland gesunken. Die schwache Nachfrage im Inland konnte die Industrie aber mit dem Export deutscher Autos ausgleichen. 4,3 Millionen Neuwagen wurden außerhalb der deutschen Grenzen verkauft.

Die gestiegenen Preise für Kraftstoff hätten schon in den Jahren 2005 und 2006 dazu geführt, dass weniger Autofahrer sich einen Neuwagen leisteten, wie Wissmann sagte. Diese Entwicklung setzte sich in diesem Jahr fort. Mittlerweile betrage das Durchschnittsalter eines privat genutzten Autos mehr als acht Jahre. Im kommenden Jahr hoffen die Hersteller laut VDA aber darauf, dass die Verkäufe wieder leicht auf mindestens 3,2 Millionen Autos anziehen werden. Zwar sei wegen des hohen Ölpreises Vorsicht bei der Prognose geboten, sagte Verbandspräsident Wissmann. Andererseits sei mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit und damit mit wieder steigenden Einkommen zu rechnen.

Diesel auf dem Vormarsch

Wer sich in diesem Jahr ein neues Auto kaufte, griff häufig zu einem verbrauchsarmen Diesel. Der Dieselanteil erreichte im November erstmals knapp die 50-Prozent-Marke, wie Wissmann sagte. Im Jahresdurchschnitt werden es demnach 48 Prozent sein, vier Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Diesel ist günstiger als Benzin. In den vergangenen Tagen hatten sich die Preise der beiden Kraftstoffarten aber mancherorts angeglichen.

Der VDA-Präsident forderte Bund und Länder auf, die seit langem angekündigte Reform der Kfz-Steuer auf den Weg zu bringen. Sie müssten umgehend eine Lösung erarbeiten, die sich am Kohlendioxid-Ausstoß ausrichte und besonders sparsame Neuwagen von der Kfz-Steuer befreie. Auch die Streichung der Entfernungspauschale müsse umgehend rückgängig gemacht werden, verlangte Wissmann. Von der Entlastung wären 15 Millionen Pendler betroffen, mehr als zwei Drittel von ihnen seien dringend auf das Auto angewiesen.

Zehn Prozent mehr Exporte

Deutsche Autos wurden vor allem nach China, Russland, Großbritannien und Frankreich exportiert. Die Ausfuhr stieg im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf 4,3 Millionen Pkw und glich den Einbruch im Inland aus. Dies sei der fünfte Exportrekord in Folge, sagte Wissmann. Insgesamt produzierten die deutschen Hersteller für das In- und Ausland 5,7 Millionen Pkw und damit sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Wichtigster Auslandsmarkt mit nahezu einer Million Pkw ist laut VDA China, wo der Absatz im gesamten Jahr um mehr als ein Drittel wachsen dürfte. Der Export nach Russland wurde nahezu verdoppelt, die Briten kauften 48 Prozent mehr deutsche Autos, die Franzosen 28 Prozent mehr.

"Ohne die Automobilindustrie wäre Deutschland nicht Exportweltmeister", sagte Wissmann. "Und ohne diese Schlüsselbranche hätten wir auch nicht die deutliche Erholung am Arbeitsmarkt." Die Hersteller schufen demnach seit Jahresbeginn 8000 neue Arbeitsplätze.

Mercedes-Benz bestätigte mit der Vorlage seiner Neun-Monats-Zahlen die Statistik des VDA. Von Januar bis November lieferte der Stuttgarter Autobauer rund 1,08 Millionen Fahrzeuge aus, vier Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Verkäufe im November seien vor allem in Asien, in den USA und im westeuropäischen Ausland gestiegen, teilte das Unternehmen mit. In Deutschland dagegen lagen die Verkäufe im November unter denen des Vorjahresmonats. (mac/AFP)

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